Video-Arztbesuch

Zürich, können Sie meine rote Nase sehen? Silvia Meixner, 17.10.2017 15:30 Uhr

Berlin - Krankschreibung ohne Arztbesuch, Diagnose ohne Parkplatzsuche? Die private Krankenversicherung (PKV) Ottonova will das möglich machen. Am 1. November startet das Angebot der Video-Konsultation. Der Ärger scheint programmiert – beim Münchener Start-up sieht man das gelassen. Rezepte ins Ausland umleiten will man nicht.

Roman Rittweger, Ottonova-Gründer und Arzt, sagt: „Wir sind die ersten, die das machen.“ Und beruhigt gleich die Ärzteschaft: „Wir wollen nicht den Hausarzt abschaffen.“ Aber ein bisschen provozieren und das Augenmerk auf Wege der Zukunft lenken: „Es gibt Fälle, in denen man nicht zum Arzt gehen kann.“ Für die ist die Video-Konsultation gedacht. Ein Beispiel: Ein Geschäftsreisender wird in London von einer Erkältung erwischt, bekommt Hautausschlag oder verstaucht sich beim Joggen den Fuß. Er ruft oder mailt seine Krankenversicherung an, die den Kontakt zum Schweizer Arzt herstellt. Via Smartphone begutachtet dieser den betroffenen Fuß oder lässt sich die Symptome der Erkältung oder des Ausschlages schildern. Er stellt eine Diagnose, schreibt im Bedarfsfall eine Krankmeldung und empfiehlt idealerweise ein rezeptfreies Medikament. Denn deutsche Apotheken dürfen keine Rezepte beliefern, die ohne persönlichen Erstkontakt ausgestellt wurden.

Problem stressfrei gelöst, sowohl für den Ottonova-Patienten als auch für die Versicherung, die sich über eine Kostenersparnis von bis zu 50 Prozent freut. In Ländern wie den USA, Schweden oder Großbritannien funktioniert die Idee schon seit Jahren. In Deutschland gibt es noch Hürden. Die größte ist der Umstand, dass ein Rezept ein Dokument ist, das nicht einfach per Mail übermittelt und ausgedruckt werden darf. Die Hürden gedenkt das Start-up, das 2015 gegründet wurde und seit Mitte Juni in Deutschland als Direktversicherer aktiv ist, zu überwinden. „Wir sind ein typisches Start-up“, sagt Rittweger, „es ist nicht alles in Stein gemeißelt, wir präsentieren Ideen und schauen, was passiert. Ich bin ewiger Optimist und ein großer Fan des Wettbewerbs. Langfristig werden sich die besten Ideen durchsetzen.“

Dass Online-Rezepte in Deutschland ein heikles Thema sind, weiß der Mediziner. Und legt den Finger in die Wunde: „Ein möglicher Schritt ist es, die Verantwortlichen darauf aufmerksam zu machen, dass man sie in anderen Ländern einlösen kann.“ Er versichert aber auch: „Unser Wunsch ist es, dass es in Deutschland funktioniert.“

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