Ägypten

Todesstrafe wegen Schmerzmitteleinfuhr?

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Berlin -

Zwei Schmerzmittel im Handgepäck wurden einer englischen Touristin zum Verhängnis. Wegen der illegalen Einfuhr rezeptpflichtiger Medikamente sitzt Laura Plummer in Ägypten seit Anfang Oktober im Gefängnis. Ihr könnte die Todesstrafe drohen.

Die 33-jährige Verkäuferin sei nach ihrer Ankunft am Flughafen von Hurghada in Gewahrsam genommen worden, so der Guardian. Grenzpolizisten hätten in ihrem Koffer 290 Tramadol- und einige Naproxen-Tabletten gefunden. Sie sei auf der Wache dazu aufgefordert worden, ein 38-seitiges Dokument auf arabisch zu unterzeichnen. Plummer habe geglaubt, dass sie danach auf freien Fuß gesetzt werde, um wie geplant ihren zweiwöchigen Urlaub am Roten Meer anzutreten. Stattdessen sei sie in eine Zelle gesteckt worden.

Die Britin gab an, dass sie die Tabletten auf eigene Initiative für ihren Ehemann mitgebracht habe. Er leide seit einem Unfall unter starken Rückenschmerzen. Der Ägypter lebe in Luxor, sie besuche ihn drei- bis viermal im Jahr. Ein Kollege habe ihr die Medikamente in einer Apothekentüte mitgegeben. „Ich habe noch nicht mal reingeschaut“, sagte sie dem britischen Sender BBC. „Ich kann ihnen nicht sagen, wie idiotisch ich mich fühle.“

Das rezeptpflichtige Tramadol ist in Großbritannien legal, steht in Ägypten dagegen auf dem Index. Tramadol sei hier das am meisten missbrauchte Medikament im Land und werde häufig als Heroinersatz eingesetzt, so ein Regierungsoffizieller.

Ihren Angehörigen sei gesagt worden, dass auf Drogenschmuggel bis zu 25 Jahre Haft stehe, berichtet das Boulevardblatt The Sun. Ein mit dem Fall betrauter ägyptischer Anwalt habe sogar von einer möglichen Todesstrafe gesprochen. Selbst wenn sie ihre Unschuld beweise, könne noch eine Gefängnisstrafe von sieben Jahren drohen. Unwissenheit über die Gesetzeslage schütze nicht vor Strafe, so die einheimischen Behörden.

Ihre Zelle sei so groß wie ihr Schlafzimmer im heimischen Hull, aber sie müsse sie mit 25 anderen Frauen teilen, erzählte Plummer dem britischen Sender BBC. Ihre Mitgefangenen versuchten sich um sie zu kümmern, aber keine von ihnen spreche Englisch. Ihre Moral sei auf einem Tiefpunkt angelangt. Angehörige, die sie in Ägypten besuchen konnten, berichten der Boulevardzeitung The Sun, Plummer sei nicht mehr wiederzuerkennen.

Ehemann Omar Caboo hat mittlerweile ärztliche Atteste beigebracht, die Plummers Aussage bestätigen. Am Donnerstag wurde sie zum dritten Mal dem Gericht vorgeführt. Das britische Außenministerium hat ihre Betreuung übernommen.

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