Großveranstaltungen

Streit um Festivalapotheke Eugenie Ankowitsch, 12.07.2018 11:55 Uhr

Berlin - Die Festivalsaison ist in vollem Gange. Inzwischen erinnern die Veranstaltungsgelände an kleine Städte mit eigener Infrastruktur. Viele Dinge des täglichen Gebrauchs kann man mittlerweile dort kaufen. Eine Apotheke darf man aber zumindest in Deutschland nicht erwarten. Wie streng die Regularien hierzulande sind, musste im vergangenen Jahr Festivalapotheker Michael Spiegel erfahren. Anders in der Schweiz: Dort hat die Aufsicht kein Problem mit Festivalapotheken.

Wenn im Industriedenkmal Ferropolis im sachsen-anhaltinischen Gräfenhainichen Musikfestivals stattfanden, war bis zum vergangenen Jahr auch Apotheker Michael Spiegel mit seiner Festivalapotheke vor Ort. Aus einem Wohnmobil heraus versorgte er seit 2011 die Musikfans – nach eigenen Angaben lediglich mit Nichtarzneimittel wie Mücken- oder Sonnenschutz. Arzneimittel habe es ausschließlich auf Bestellung über Telefon oder die Website gegeben. Das sahen seine Kollegen anders. Und so entbrannte im vergangen Jahr eine Diskussion darüber, ob der Chef der Linden-Apotheke womöglich eine illegale Offizin ohne behördliche Erlaubnis betreibt.

Noch heute betont Spiegel, dass er sowohl das Landesverwaltungsamt als auch die Apothekerkammer Sachsen-Anhalt über sein Vorhaben informiert und von beiden Institutionen grünes Licht erhalten habe, allerdings nur mündlich. Beide Behörden gaben sich allerdings ahnungslos, als es im vergangenen Jahr zu Beschwerden der Kollegen aus der Region kam. Dr. Christine Heinrich, Geschäftsführerin der Kammer, gab damals an, erst vor Kurzem von der Festivalapotheke erfahren zu haben, und kündigte eine Prüfung an. Ähnlich äußerste sich auch das Landesverwaltungsamt.

Laut Spiegel hat diese Prüfung ein Dreivierteljahr gedauert und endete mit einem wenig überraschenden Resultat: Fortan dürfe Spiegel seine Festivalapotheke nicht mehr betreiben. Als Begründung habe die Behörde verlauten lassen, dass es keine objektive Versorgungslücke während der Festivals gebe. Kritisch sah man nach Angaben des Apothekers offenbar auch die „Vermischung von Versandhandel und Botendienst“.

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