Reckitt: Milliardenstrafe wegen Suboxone | APOTHEKE ADHOC
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Reckitt: Milliardenstrafe wegen Suboxone

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Berlin -

Reckitt Benckiser (RB) zahlt 1,4 Milliarden US-Dollar (1,24 Milliarden Euro), um einen Streit mit US-Behörden wegen verbotener Marketingmethoden für sein Kombinationspräparat „Suboxone Film“ (Buprenorphin/Naloxon) beizulegen. Durch die Zahlung sollen Ermittlungen der des US-Justizministeriums und der Handelsbehörde FTC beendet werden, teilte der britische Konzern am Donnerstag mit.

Laut den US-Behörden soll die Pharmasparte Indivior das Mittel gegen Opioid-Abhängigkeit mit irreführenden Gesundheitsaussagen vermarktet und staatliche Gesundheitsprogramme durch unwahrheitsgemäße Vermarktung um Milliarden betrogen zu haben. Der Konzern habe ein Programm entwickelt, um Medicaid, Medicare und andere Programme davon zu überzeugen, dass Suboxone im Vergleich zu günstigeren generischen Versionen des Präparats ein sehr viel geringeres Abhängigkeitspotential habe – und sei dabei seit 2007 äußerst erfolgreich gewesen.

Im April war nach langen Ermittlungen Klage gegen RB eingereicht worden. „Die Anklageschrift wirft Indivior vor, das Mittel gegen Opioid-Abhängigkeit nicht verantwortungsvoll vermarktet zu haben, sondern es unter Missachtung der Wahrheit über seine Sicherheit und entgegen besseren Wissen über seine Missbrauchsrisiken beworben zu haben“, so ein Staatsanwalt im US-Bundesstaat Virginia bei Klageerhebung.

Als nach Ende des Patentschutzes die ersten Generika auf den Markt kamen, hatte RB eine neue Darreichungsform entwickelt: Statt einer Tablette kommt „Suboxone Film“ in Form eines löslichen Films, den sich die Patienten unter die Zunge legen. Die neue Darreichungsform senke sowohl das Abhängigkeitspotential des Mittels als auch das Missbrauchsrisiko. Das stellte sich laut Anklage als unwahr heraus. Demnach wusste RB davon, dass die neue Darreichungsform in Wirklichkeit potentiell gefährlicher ist sowie ein höheres Abhängigkeits- und Missbrauchspotential hat. Außerdem soll RB der Staatsanwaltschaft zufolge ein Programm entwickelt haben, um Patienten Ärzten zuzuschleusen, die besonders häufig Suboxone verschreiben. Die Anklage verlangte eine Strafzahlung von mindestens drei Milliarden Dollar (2,66 Milliarden Euro).

Der Konzern verweist darauf, dass es sich um eine gütige Einigung handelt und keinerlei Rechtsverletzung festgestellt worden sei. „Obwohl sich RB jederzeit gesetzeskonform verhalten hat und entschieden alle Anschuldigungen zurückweist, wonach das Unternehmen sich irgendein Fehlverhalten hat zuschulden kommen lassen, ist der Vorstand zu dem Schluss gekommen, dass die Einigung im besten Interesse des Unternehmens und seiner Aktionäre ist“, teilte der Konzern mit.

Durch die Zahlung würden unter anderem Kosten und Unsicherheiten vermieden, die durch die Ermittlungen und eine potentielle Verurteilung zustande kämen. Für die Zahlung will RB seine Rückstellung zur Halbjahresbilanz von 400 Millionen auf 1,5 Milliarden erhöhen.

Die Klage gegen RB wird in den USA als Teil des Kampfes gegen die nach wie vor grassierende Opioid-Epidemie gesehen. Der Staat geht seit vergangenem Jahr verstärkt gegen illegale Machenschaften im Zusammenhang mit Vermarktung und Abgabe von Opioid-haltigen Schmerzmitteln vor. Auch andere Pharmakonzerne müssen sich in den letzten Jahren wegen ihrer Marketing- und Vertriebspraktiken vor Gericht verantworten. So wird Purdue vorgeworfen, mit seinem Schmerzmittel Oxycontin ein Wegbereiter der Krisegewesen zu sein. Die Gründerfamilie Sackler hat in einem ersten Vergleich bereits der Zahlung von 270 Millionen US-Dollar (240 Millionen Euro) zugestimmt. Auch die Apothekenketten CVS und WBA sowie mehrere Pharmagroßhändler sind deshalb bereits ins Fadenkreuz der Justiz geraten.

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