Drogerieketten

Österreich: dm will an Patientendaten

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Berlin -

dm will in Österreich nicht nur Arzneimittel verkaufen dürfen, sondern auch auf Patientendaten zugreifen. Die Drogeriekette fordert daher, dass nicht nur Apotheken an die geplante elektronische Gesundheitsakte (ELGA) angebunden werden, sondern alle Einrichtungen, in denen Medikamente angeboten werden. Damit öffnet die Kette eine zweite Flanke zur erhofften Liberalisierung des Apothekenmarktes.

Die Drogeriekette drängt seit langem darauf, zumindest OTC-Präparate in ihren Filialen verkaufen zu dürfen. Es sei damit zu rechnen, dass es in den nächsten Jahren eine Liberalisierung des Apothekenmarktes geben werde, sagt ein dm-Sprecher. Deshalb dürfe das neue technische System nicht zur „Zementierung des Apothekenmonopls“ missbraucht werden.

In Österreich kooperiert dm seit 2011 mit „Zur Rose“. Die Versandapotheke sei bereits auf eine Ankopplung an die Datenbank vorbereitet. In dem Gesetz werden Versandapotheken, die nach Österreich liefern, jedoch nicht explizit erwähnt. „Wenn es um die Konsumentensicherheit geht, dann sollten alle Apotheken, die legal nach Österreich liefern, auf den Datenpool zugreifen können“, so der Sprecher.

Es sei zu befürchten, dass die Gesundheitsakte durch technische Einschränkungen exklusiv den Apotheken vorbehalten bliebe. Das technische System hinter ELGA müsse von Anfang an mit den erforderlichen gesicherten Schnittstellen ausgestattet werden. „Geschieht das nicht, ist klar, dass es den Verantwortlichen nicht um die Patientensicherheit geht, sondern um die Absicherung der Monopole auf Seiten der Apotheker und der Pharmaindustrie", so der österreichische dm-Chef Harald Bauer.

Der Nationalrat hatte die Einführung der elektronischen Gesundheitsakte am Dienstag beschlossen. Ab 2015 sollen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtung auf die darin gespeicherten Gesundheitsdaten zugreifen können. Ein Jahr später sollen Apotheken und Vertragsärzte folgen. Das Portal für Patienten soll Ende 2013 in Betrieb gehen.

Die Patienten können selbst entscheiden, ob sie ihre Daten freigeben. Die Gesundheitsakte ist ein zentrales Speichersystem, in dem verschiedene Patientendaten gesammelt und über ein Netzwerk abgefragt werden können. Darin soll beispielsweise die aktuelle Medikamentenliste des Patienten, darunter auch OTC-Produkte, gespeichert werden. Die e-card gibt es in Österreich seit 2005.

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