Konzerne verkaufen illegale Antibiotika

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Berlin - Internationale Pharmakonzerne verkaufen in Indien nicht zugelassene Antibiotika. Das geht aus einer Studie hervor, die jetzt im „British Journal of Clinical Pharmacology“ veröffentlicht wurde.

Die Forscher der Queen Mary University of London und der Newcastle University untersuchten, wie viele und welche Antibiotika in den Jahren 2007 bis 2012 in Indien, den USA und Großbritannien verkauft wurden. In Indien waren 86 Formulierungen mit einem einzigen Wirkstoff (Single Drug Formulation, SDF) und 118 Formulierungen mit einer Wirkstoffkombination (Fixed Dose Combination, FDC) auf dem Markt.

Insbesondere letztere werden mit zunehmenden Resistenzen in Verbindung gebracht. In den USA und Großbritannien waren im gleichen Zeitraum nur fünf FDC zugelassen. „Der Verkauf von ungenehmigten, nicht überprüften Antibiotika untergräbt Maßnahmen in Indien, um die Resistenz gegen antimikrobielle Mittel zu kontrollieren“, so Hauptautorin Dr. Patricia McGettigan.

Nur 43 der 118 FDC waren von der indischen Arzneimittelbehörde CDSCO zugelassen. Der Rest wurde illegal verkauft – darunter auch viele problematische Verbindungen. Insgesamt 300 Millionen Einheiten solcher illegalen Kombinationen wurden in den Jahren 2011 bis 2012 verkauft, das entspricht einem einem Drittel aller verkaufter FDC. Die meistverkauften Kombinationen waren Amoxicillin/Clavulansäure, Ampicillin/Cloxacillin, Trimethoprim/Sulfamethoxazol und Ofloxacin/Ornidazol.

Besonders brisant: Auch internationale Pharmakonzerne verkauften nicht zugelassene FDC. Die 118 Wirkstoffkombinationen wurden in Form von über 3300 Markenarzneimitteln verkauft. Unter den 476 Herstellern waren auch zwölf internationale Konzerne, unter anderem Abbott, AstraZeneca, Baxter, Bayer, Eli Lilly, GSK, Merck & Co., Novartis, Pfizer, Sanofi-Aventis und Wyeth. Der zwölfte Konzern wird in der Studie nicht genannt. Insgesamt gab es 20 nicht zugelassene FDC, die von den Konzernen vertrieben wurden. Spitzenreiter war Abbott mit gleich 18 illegalen FDC. Die anderen Hersteller verkauften jeweils ein bis drei nicht zugelassene FDC.

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