Italien

Rezepte entdeckt, Parafarmacia gesperrt APOTHEKE ADHOC, 19.02.2016 14:41 Uhr

Berlin - In Italien gibt es seit zehn Jahren neben Apotheken auch sogenannte Parafarmacien, in denen nur OTC-Medikamente abgegeben werden dürfen. Doch in Vasto, einer Stadt in den Abruzzen, wurden in einem OTC-Shop offenbar auch Rezepte beliefert. Der Bürgermeister ließ das Geschäft schließen – zurecht, wie jetzt gerichtlich bestätigt wurde.

Die Parafarmacia gehört einem Pharmazeuten, der im 50 Kilometer entfernten Pescara parallel eine echte Apotheke betreibt. Offenbar nutzte er den OTC-Shop als „Filiale“: Bei einer Inspektion fanden Beamte der Gesundheitspolizei verschreibungspflichtige Präparate und Rezepte. Im März 2014 ließ der Bürgermeister das Geschäft per Eilbeschluss schließen.

Der Apotheker wehrte sich gegen das harsche Vorgehen, zu dem der Bürgermeister aus seiner Sicht gar nicht berechtigt war. Doch das Verwaltungsgericht der Region Abruzzen bestätigte im vergangenen Oktober den Beschluss: Der OTC-Shop sei als illegale, weil nicht genehmigte Apotheke zu bewerten, heißt es in den jetzt vorliegenden Urteilsgründen. In Italien hat das Urteil für Schlagzeilen gesorgt, denn immer wieder werden rezeptpflichtige Medikamente in Parafarmacien entdeckt. Bislang wurde allerdings nie mit einer ähnlichen stringenten Argumentation durchgegriffen.

2006 hatte der damalige Entwicklungsminister Pierluigi Bersani auf Drängen der Supermarktkette Coop den Verkauf von OTC-Präparaten in speziellen Geschäften zugelassen. Die Apotheker setzten durch, dass auch in den Parafarmacien ein Apotheker anwesend sein muss. Ein Pyrrhussieg, wie sich später herausstellen sollte: Weil sich Aspirin & Co. alleine nicht lohnen, lobbyieren die Betreiber der Parafarmacien – allen voran Supermärkte wie Coop – seit Jahren für mehr Rechte und mehr Arzneimittelkategorien.
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