Galenica schließt die Produktion von Parenteralia beim Tochterunternehmen Bichsel. Grund ist fehlende Wirtschaftlichkeit. Stattdessen soll sich die 2019 übernommene Sparte komplett auf den Bereich Homecare fokussieren.
Als einziger Hersteller in der Schweiz stellt Bichsel rund 100 standardmäßig eingesetzte Infusionslösungen her, darunter Ringer- oder Kochsalzlösung, Adre sowie registrierte Fertigprodukte. Doch damit ist jetzt Schluss: Bis zum Jahresende soll die Produktionssparte aufgegeben werden. Grund sei die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit dieses Spezialgeschäfts, so der Mutterkonzern Galenica.
Verschiedene Maßnahmen zur Steigerung der Ertragslage hätten in den vergangenen Jahren keine ausreichende Wirkung erzielt. Alternativen zur Schließung haben man geprüft, darunter auch eine Neuausrichtung des Geschäftsbereichs in Verbindung mit wesentlichen Investitionen bis hin zu einem kompletten Neubau. „Mit keinem Szenario lässt sich die Produktion längerfristig nachhaltig betreiben. Aufgrund des Zustands der Anlage ist zudem auch ein Verkauf nicht möglich.“
Bis zu 170 Stellen in der Produktion und im Vertrieb sind laut Konzern betroffen. Sofern Kündigungen unumgänglich seien, werde ein Sozialplan zur Anwendung kommen, der neben finanzieller Unterstützung auch Angebote für die berufliche Weiterorientierung vorsehe und eine Härtefallregelung beinhalte. Auch Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten innerhalb des Konzerns würden geprüft. Bis Mitte März sollen die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern abgeschlossen sein; der finale Entscheid zur Schließung sowie die definitive Anzahl betroffener Stellen seien abhängig vom Ausgang des Konsultationsverfahrens.
Galenica rechnet im Falle der Schließung der Produktionssparte mit einmaligen Sonderkosten von 35 bis 40 Millionen Franken, welche insbesondere im ersten Halbjahr entstehen und von denen 17 bis 19 Millionen Franken auf Wertberichtigungen von Warenlager sowie Produktions- und weitere Sachanlagen entfallen. Pro Jahr soll das Ergebnis dann um 3 Millionen Franken verbessert werden.
Bichsel soll sich künftig – gemeinsam mit der Sparte Lifestage Solutions – auf Homecare-Dienstleistungen für sogenannte Spitexorganisationen und Pflegeeinrichtungen fokussieren. Bichsel bringt Erfahrung in der klinischen Ernährung, Heimdialyse und Schmerztherapie, während die digitale Plattform von Lifestage Solutions die Bestellung und Abrechnung von Pflegematerialien sowie das digitale Medikamentenmanagement vereinfachen soll.
Auch am Apothekengeschäft von Bichsel hält Galenica fest: Die Große Apotheke Dr. G. Bichsel in Interlaken wird ab 1. März zur Amavita Apotheke Bichsel Interlaken.
Bichsel war 1948 gegründet worden. Seit Mitte der 1960er-Jahre betreut die Gruppe Dialysepatienten und versorgt sie mit Lösungen und Materialien, die für die Heimversorgung benötigt werden. Im Bereich der klinischen Heimernährung ist die Gruppe Marktführer. Bichsel beschäftigt ein speziell geschultes Fachteam für die Patientenbetreuung zu Hause.
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