Brexit bedroht Pharmaindustrie

/ , Uhr

Berlin - Bleiben oder nicht: Am kommenden Donnerstag entscheiden die Briten über den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union (EU). „Brexit“ würde den Austritt bedeuten – und der hätte merkliche Auswirkungen auf die britische Pharmaindustrie. Mehrere Szenarien wären vorstellbar. Bei den Herstellern überwiegen aber die Argumente für einen Verbleib. Die deutsche Industrie wird den Ausgang des Referendums genau beobachten. Denn für sie steht angesichts der engen Wirtschaftsbeziehungen zu Großbritannien viel auf dem Spiel.

Bleibt Großbritannien in der EU, gilt weiterhin die berufliche Freizügigkeit und der freie Handel. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) wird in diesem Fall auch zukünftig die Richtlinien für Präparate auf dem europäischen Markt vorgeben. Die Behörde könnte zudem ihren Sitz in London behalten. Ein Umzug aus der britischen Metropole bei einem möglichen Brexit wäre zwar nicht ausgeschlossen – Schweden hat bereits Interesse angemeldet. Die EMA will allerdings nicht über den Ausgang des Referendums oder mögliche Umzugspläne spekulieren.

Entscheiden sich die Briten hingegen für den Austritt aus der EU, gäbe es mehrere Optionen für die Regierung. Sie könnte im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) bleiben. Dann aber nicht als EU-Mitglied, sondern wie beispielsweise Norwegen als Mitgliedstaat der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA). Somit wäre der Zugang zum europäischen Binnenmarkt vorausgesetzt.

Dass Großbritannien ökonomisch abhängig vom europäischen Binnenmarkt bleibt, ist dabei kein Geheimnis. Deutsche Chemiefirmen zum Beispiel hatten laut dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) im vergangenen Jahr Waren für 5,6 Milliarden Euro von der Insel bezogen, vor allem pharmazeutische Produkte und Petrochemikalien. Deutsche Chemieprodukte im Wert von 12,9 Milliarden Euro wurden nach Großbritannien exportiert.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
„Wichtigste Triebfeder für den Vertrieb von nachgeahmten Produkten“
Studie: Online-Handel fördert Fälschungen»
Personalisierte Krebsforschung
Roche bringt Genomprofiling-Kit»
Sofortprogramm: Weniger Geld für Impfstoff
AOK will Apothekenlager kontrollieren»
Warnungen vor „Flickenteppich“
Debatte über Ende der Corona-Notlage»