Transplantate aus „Kaiserschnitt-Abfall“

Amnion-Membran verschließt chronische Wunden

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Berlin -

Die Behandlung von chronischen Wunden kann eine Herausforderung darstellen. Beim Deutschen Wundkongress wurde kürzlich eine neue Behandlungsoption vorgestellt: Aus einem bestimmten Teil der Eihülle von per Kaiserschnitt geborenen Kindern können spezielle Transplantate hergestellt werden, die beim Verschluss von langwierigen Wunden gute Erfolge erzielen konnten. Die Methode wurde mit dem deutschen Wundpreis ausgezeichnet.

Kleinere Wunden kann der Körper in der Regel selbst verschließen. Innerhalb weniger Tage oder Wochen heilen die betroffenen Stellen von allein ab. In manchen Fällen können Wunden jedoch Probleme bereiten: Als chronisch gilt eine Wunde immer dann, wenn sie nach vier bis zwölf Wochen Behandlung nicht abheilt. Oft ist dies der Fall, wenn es sich um einen Dekubitus handelt, bei Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder wenn Durchblutungsstörungen vorliegen.

Bislang werden dann verschiedene Wundauflagen verwendet. Meist kommt das Prinzip der feuchten Wundbehandlung zum Einsatz. Ihr Ziel ist es, ein ideales Wundheilungsmilieu zu schaffen. Außerdem soll die Wunde vor Austrocknung und eindringenden Keimen geschützt werden – gleichzeitig soll ein ungehinderter Austausch von Gasen und Wasserdampf erhalten bleiben.

Dabei kommen beispielsweise Folien, Hydrokolloid- und Schaumstoffverbände oder Auflagen mit Silber oder Hydrogelen zum Einsatz. Beim Deutschen Wundkongress wurde nun eine neue Variante vorgestellt: Aus dem Amnion – einem speziellen Teil der Eihülle von Kaiserschnitt-Babys – können Transplantate hergestellt werden, die bei chronischen Wunden zum Einsatz kommen können.

Eihüllen-Transplantate für die Wundheilung

Die Amnionmembran ist die innere, dem Fötus zugewandte Eihaut der mütterlichen Plazenta. Ihr werden antientzündliche und wundheilungsfördernde Eigenschaften zugeschrieben. Auch die Narbenbildung soll positiv beeinflusst werden. Die Methode wurde von Chirurgen der Rhein-Maas-Kliniken in Würselen gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) entwickelt. In diesem Jahr wurde sie mit dem Deutschen Wundpreis ausgezeichnet.

Sie könnte für viele Patient:innen mit chronischen Wunden eine neue, vielversprechende Behandlungsoption sein. „Bei einer absoluten Stagnation der Wundheilung und fehlender Therapieoptionen ist das Amnion wie eine Art Booster, welches die Wunde zur besseren Selbstheilung anregen soll. Dort sehe ich den Wert des Amnions“, erklärt Dr. Hans-Oliver Rennekampff, Chefarzt der Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie am Rhein-Maas-Klinikum.

„Während die Wirksamkeit der Amnionmembran international anerkannt ist, werden ihre Vorteile in der Patientenanwendung bisher noch wenig genutzt“, so Dr. Nicola Hofmann, Wissenschaftliche Leiterin der DGFG. Um die Therapieoption Patient:innen vermehrt zugänglich zu machen, stellt die DGFG die humane Amnionmembran für die klinische Anwendung bei chronischen Wunden unter der Genehmigung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) zur Verfügung.

Gewebespende ohne Abstoßungsreaktion

Allerdings handelt es sich bei der Membran um eine Lebend-Gewebespende. Das bedeutet, dass die Mutter der Spende zustimmen muss. Außerdem kann die Hülle nur bei Kaiserschnittgeburten verwendet werden. Aus einer Spende können dann mehrere hundert Transplantate gewonnen werden.

Obwohl es sich bei der Membran um ein Spendergewebe handelt, kommt es nicht zu Abstoßungsreaktionen, da das Gewebe immunologisch inert ist. „Es zeigt sich einmal mehr, dass die Natur hier eine perfekte Lösung gefunden hat. Denn die Amnionmembran befindet sich zwischen zwei an sich fremden Immunsystemen, das von Mutter und Kind und führt daher zu keiner Abstoßungsreaktion oder Unverträglichkeit bei Patientinnen und Patienten“, so Hofmann.

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