Apotheker schreibt an Apobank

Störungen wegen Medisign: „Es flackert ständig“

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Berlin -

Der heutige Morgen begann in vielen Apotheken wieder mit blanken Nerven: Der Zugriff auf E-Rezepte war praktisch unmöglich, da bei allen Apotheken, deren SMB-C über Medisign läuft, nichts ging. Gleiches gilt immerhin auch für die ausstellenden Praxen, das macht die Lage aber nicht besser. Henrik Henke, der mit seiner Frau Stefanie die Sonnen-Apotheke in Bad Kötzting betriebt, ist genervt. In einer Mail an Medisign und deren Gesellschafter, die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank), bittet er um Stellungnahme zur seit knapp zwei Wochen anhaltenden Problematik.

Henke, der sich in der Apotheke um alles Betriebswirtschaftliche kümmert, hat sich direkt an Matthias Schellenberg, den Vorstandschef der Apobank, gewandt. Immerhin sei das Kreditinstitut Gesellschafter von Medisign, und er erwarte endlich eine Stellungnahme bezüglich der immer wieder auftretenden Probleme.

„Leider sind unsere vier SMC-Bs in unseren beiden Apotheken heute wieder von großflächigen Ausfällen erfasst und ein Arbeiten ist nicht möglich“, schreibt Henke. Er erwartet bis zum morgigen Dienstagmittag eine Stellungnahme von Medisign: „Was ist die Ursache für die Ausfälle und bis wann sind diese behoben? Wie beteiligen Sie sich an den Verdienst- und Betriebseinschränkungen durch Ihren fehlerhaften Service? Wie werden Sie für zukünftige Ereignisse sicherstellen, dass eine zeitnahe Kommunikation mit Ihren Kunden stattfindet?“

Die drängendsten Fragen liegen für Henke auf der Hand: Wer kommt für den Schaden auf und warum kommuniziert Medisign nicht mit den Kund:innen? Vor allem wäre es aus seiner Sicht schön, wenn diese Störung endlich dauerhaft behoben wäre. „Es kommt immer wieder zu Ausfällen. Man kommt morgens rein und weiß nicht, was kommt.“ Wenn die Identifizierung über die SMC-B nicht funktioniere, könne die Apotheke keinerlei E-Rezepte beliefern, so Henke.

Keine Erklärung, keine Entschuldigung

Mal funktioniere es kurz über den Token, mal über die elektronische Gesundheitskarte (eGK). Henke bezeichnet den Zustand als „Flackern“. So könne doch keine Apotheke arbeiten. Das betreffe neben den Apotheken, die die SMC-B über Medisign beziehen, auch die Arztpraxen, die einen Vertrag mit dem Anbieter haben. „Da wird der Druck steigen“, meint Henke, Arztpraxen gebe es immerhin mehr als Apotheken. Für heute seien seine umliegenden Praxen auf das Muster-16-Rezept umgestiegen, doch deshalb sei das Problem noch lange nicht gelöst.

Auch das von der Gematik angegebene Zeitfenster von 8 bis 9 Uhr sei wenig aussagekräftig. „Um halb 11 ging es immer noch nicht.“ Erst gegen Mittag gab die Gematik offiziell Entwarnung. Doch selbst dann sei nicht zwingend davon auszugehen, dass direkt wieder alles reibungslos funktioniere: „Wenn die Systeme so flackern, dann dauert es bei uns im Hintergrund, bis alle technischen Komponenten wieder laufen. Das ist ein ewiger Rattenschwanz.“

„Was mich besonders ärgert: Wir haben einen Vertrag mit Medisign und die schaffen es nicht, uns proaktiv zu informieren. Es gibt keine Erklärung, keine Entschuldigung.“ Generell finde keine Kommunikation statt. Dabei könne der Anbieter durch die Eigentümer Apobank und DGN Deutsches Gesundheitsnetz, eine Tochter des Softwarehauses Frey ADV (Quincy), doch sicherlich auf weitreichende Strukturen zurückgreifen.

Die Stimmung im Team sinke zunehmend angesichts der vielen technischen Herausforderungen neben den Problemen, die ohnehin schon zu bewältigen sind. „Das ist für alle Beteiligten eine nervige Lage. Es wäre schön, wenn das E-Rezept langsam mal laufen würde.“

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