Chroniker sind essenziell

Apotheker warnt: „Arzt-Apotheker-Synergie nicht sprengen“

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Berlin -

Für den Apotheker Milad Khosravani ist eines klar: „Ich habe kein Interesse daran, solche Plattformen, wie Gesund.de zu supporten.“ Er warnt hinsichtlich der Patientenbestellungen von Medikamenten, vor dem greifbaren Switch von Apotheken vor Ort zum Versandhandel. Denn: Sollte sich durchsetzen, was das Bundesgesundheitsministerium (BMG) im Hinblick auf Chroniker fokussiert, wäre das deutlich am Umsatz aller Apotheken zu spüren. „70 bis 80 Prozent leben von Patienten mit einer Dauermedikation“, so der Inhaber der Karolinger Apotheke in Aachen.

Mit dem neuen Referentenentwurf aus dem BMG zum Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz (GVSG) könnte sich für Chroniker die Anzahl der Arztkontakte deutlich reduzieren. Will heißen: Patient:innen mit einer Dauermedikation müssen für ihre Verordnungen dann nicht mehr jedes Quartal eine Arztpraxis aufsuchen. Mit Blick in die Zukunft warnt Khosravani: „Kunden und Kundinnen wollen Wege sparen, sie möchten vermeiden, mehrmals die Apotheke aufsuchen zu müssen.“ Denn aktuell sehe die Realität zur schnelleren Bearbeitung von E-Rezepten noch mau aus.

Denn: „Die meisten Arztpraxen signieren E-Rezepte erst nach Feierabend per Stapelsignatur. Selbst wenn die Komfortsignatur genutzt wird, ist das nicht das Mittel der Wahl, denn der Prozess dauert insgesamt einfach viel zu lange“, so der Inhaber. „Bei Chronikern muss jedes einzelne Medikament per Suche aus einer Liste ausgewählt werden, die Ärzte sind außerdem verpflichtet, das günstigste Arzneimittel zu wählen“, so der Inhaber. Schlussendlich sitzen die Verordner:innen für jeden Patienten bis zu zehn Minuten vor dem Rechner: „Das dauert viel zu lange. In der Apotheke warten die Menschen dann erneut. Das ganze Konstrukt führt dazu, dass die Kunden sich aus Bequemlichkeit an den Versandhandel wenden.“

Bei der Arbeit mit Papierrezepten sei der Vorgang deutlich schneller beendet gewesen. Auch der Hinweis, die E-Rezepte per KIM an die Apotheke zu schicken, kann von den meisten Arztpraxen nicht umgesetzt werden: „Ich habe mit den lokalen Arztpraxen mehrfach gesprochen“, so Khosravani. Das Ergebnis: „Mehr als 90 Prozent der EDV in den Praxen gibt diese Funktion gar nicht her. Es ist schlicht nicht vorgesehen, KIM als Auswahlmöglichkeit anzugeben“, so der Apotheker. Es bleibe nur der umständliche Weg: „Man könnte den QR-Code als PDF abspeichern und dann als Mail schicken. Das ist wenig praktikabel.“

Im Hinblick auf den drohenden Versandhandel-Switch appelliert er: „Wenn die Synergie zwischen Arzt und Apotheker gesprengt wird, dann bedeutet dass das Ende für die Apotheke. Für die Versender ist das CardLink-Verfahren der letzte Strohhalm“, so der Pharmazeut. „Sie warten seit Jahren darauf, dieses Verfahren zu nutzen. Wir Apotheker brauchen eine eigene App unter unserem eigenen Namen, die wir gezielt der Kundschaft anbieten“, so Khosravani.

„Denn ich habe kein Interesse daran Plattformen wie gesund.de zu unterstützen. Ich will meine eigene App“, so der Apotheker. „Als sogenanntes white-Label und am besten mit anhängendem Shop. Wenn wir es schaffen, lokal mithilfe dieser App ein gutes Marketing zu betreiben, haben wir eine gute Chance, den Switch zu verhindern. Vorausgesetzt, das befristete CardLink scheitert.“

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