Gerade erst hat ein neuerlicher Ausfall der Telematikinfrastruktur (TI) einen Tag lang für Probleme in den Apotheken gesorgt. Das soll künftig nicht mehr auftreten: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will mit einem neuen Digitalgesetz solche Störungen wirksamer ausschließen.
Warken sagte, dass es zu viele Komponenten in der TI gebe. Falle ein Baustein aus, liege schnell das ganze System lahm. Das habe man beim E-Rezept immer wieder gesehen. Konkrete Zahlen konnte sie nicht nennen; die Situation sei nicht dramatisch, versicherte sie. Wenn man aber ein Problem erkannt habe, müsse man es auch angehen. Vorgesehen sei eine Vereinfachung der TI, denn derzeit sei das System zu komplex. Man brauche verlässliche technische Systeme und klare Regeln für die Betreiber: So solle die Gematik dahingehend gestärkt werden, dass sie mehr Durchgriffsrechte bekomme. Dies solle vor allem regulatorischer Natur sein, indem mehr Vorgaben zur Stabilisierung des Systems gemacht werden könnten.
Außerdem soll die bisher spärlich genutzte elektronische Patientenakte (ePA) nach den Plänen für Versicherte leichter zugänglich und nützlicher werden. Die nächsten Ziele: niedrigere Hürden beim Einloggen, digitale Hilfen bei der Gabe von Arzneimitteln und Terminerinnerungen für Versicherte. Auch dies ist Teil der „Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen und die Pflege“, die sie in Berlin vorstellte.
Die ePA wurde für die allermeisten der gut 74 Millionen gesetzlich Versicherten zwar schon vor mehr als einem Jahr angelegt. Seit Oktober ist es für Ärztinnen und Ärzte verpflichtend, wichtige Daten einzutragen. Laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) nutzen bisher aber nur vier Millionen Versicherte die Patientenakte aktiv. Nach Warkens Plänen sollen es bis 2030 rund 20 Millionen sein.
„Bislang ist es ja so, dass die ePA besonders Sinn macht für Patientinnen und Patienten mit einer Krankheitsgeschichte, zum Beispiel mit vielen Befunden und Arztbesuchen“, sagte Warken. „Wir wollen aber auch die aktive Nutzung der ePA für alle haben, wir wollen sie für alle Versicherten attraktiv machen.“ Dazu brauche es weitere Anwendungen mit einem konkreten Mehrwert.
Als Beispiel nannte sie die „digitale Ersteinschätzung“, die künftig der Schlüssel beim Zugang zum Facharzt werden soll: Per App könnten sich zum Beispiel Versicherte selbst durch einen Fragebogen klicken, die Info könnte in der Patientenakte hinterlegt werden. Danach wäre die Buchung eines Arzttermins möglich. Weitere Anwendungsfälle aus ihrer Sicht: digitale Medikationsprozesse, Kurzpatientenakten für Notfälle, Labordaten, Benachrichtigungsfunktionen und Kommunikationsmöglichkeiten zur Kasse, zum Beispiel beim Thema Impfen.
Die Digitalisierungsstrategie soll auch einen Rahmen setzen, wie Künstliche Intelligenz (KI) die Behandlung von Krankheiten verbessern und Gesundheitspersonal unterstützen soll. Es gehe auch um Rechtssicherheit: Man werde klar definieren, welche Tools die Leistungserbringer nutzen könnten.
Ein Stichwort ist dabei KI-gestützte Dokumentation. Sie soll die Fachkräfte von Papierkram entlasten. Warkens Ziel: „Bis 2028 zielt die weiterentwickelte Strategie daher auf eine aktive Nutzung KI-gestützter Dokumentation in über 70 Prozent der Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen.“
Weiterer Punkt ist die gezielte Nutzung von Gesundheitsdaten aus den elektronischen Patientenakten zur Forschung. Dafür wurde im vergangenen Jahr das sogenannte Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ) gegründet. Allein bis Ende dieses Jahres sollen dazu schon 300 Forschungsvorhaben angestoßen oder gestartet werden.
Etwas kurz kam der Bereich Pflege. Hier kann sich Warken ein Cockpit vorstellen, in dem es Informationen und Beratung rund um das Thema Pflegebedürftigkeit gibt. Auch die Dokumentation sei hier ein Baustein.
Noch im ersten Quartal soll ein Entwurf vorliegen, Warken will das Gesetz bis zum Jahresende abschließen. „Die Digitalisierung soll nicht mehr nur ein ergänzendes Element, sondern eine wesentliche Säule der Versorgung werden. Sie soll zu mehr Qualität und Effizienz führen, die Leistungserbringer unterstützen und entlasten und die Patienten navigieren und steuern. Deshalb werden wir Tempo machen.“