Plädoyers im Prozess gegen falschen Impfarzt | APOTHEKE ADHOC
Urteil wird erwartet

Plädoyers im Prozess gegen falschen Impfarzt

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Berlin -

Er habe gedacht, er tue damit auch „etwas Gutes“ – so argumentierten seine Verteidiger. Ein falscher Impfarzt soll Hunderte Patienten ohne ärztliche Zulassung gegen Corona geimpft haben. Seit Februar muss er sich in Traunstein verantworten, nun wird das Urteil erwartet.

Mit gefälschter Approbation und ohne ärztliche Zulassung soll ein Theologe in Oberbayern mehr als 300 Menschen gegen Corona geimpft und bei Hunderten anderen die Impfung überwacht haben. Am Donnerstag geht der Prozess gegen den Mann vor dem Landgericht Traunstein in die Endrunde. Es wird erwartet, dass Staatsanwaltschaft und Verteidigung plädieren. Danach könnte auch das Urteil gesprochen werden.

Urkunde gefälscht & falsche Doktortitel benutzt

Zum Prozessauftakt im Februar hatte der 50-Jährige die Vorwürfe der Anklage weitestgehend eingeräumt. Es sei richtig, dass er falsche Doktortitel benutzt, eine Approbationsurkunde gefälscht und somit zu Unrecht Impfstoff verabreicht habe, ließ er über seine Anwälte mitteilen. Es sei ihm nicht zuletzt darum gegangen, eine Beschäftigung zu haben, sich gebraucht zu fühlen – und freilich auch darum, etwas zum Lebensunterhalt beizutragen.

Die Anklage lautet unter anderem auf gefährliche Körperverletzung, Urkundenfälschung und Titelmissbrauch. Laut Staatsanwaltschaft hatte der Mann bei mindestens 306 Menschen ohne ärztliche Zulassung selbst die Spritze gesetzt und in 1144 Fällen Injektionen von medizinischem Fachpersonal überwacht. Der Mann war demnach im Impfzentrum Rosenheim und im Impfzentrum Karlsfeld im Landkreis Dachau tätig sowie mit mobilen Impfteams etwa in Pflegeeinrichtungen im Einsatz. Gesundheitliche Schäden erlitt den Ermittlern zufolge niemand.

Die Verteidigung ging zum Prozessauftakt aufgrund einer Befragung der Betroffenen nach Aufdeckung der Tat davon aus, dass 955 von gut 1400 Impflingen ihre Einwilligung in die Impfung trotzdem erteilt hätten. Er könne selbst nicht rekonstruieren, wie viele Menschen er geimpft habe, sagte seine Anwältin zum Prozessauftakt. Im Regelfall habe das medizinische Fachpersonal das Vakzin verabreicht.

Er habe gedacht, „er tut etwas Gutes“ und bringe die Impfkampagne voran, sagte seine Anwältin weiter. In neun Monaten Untersuchungshaft sei ihm klar geworden, „dass das, was er gemacht hat, nicht geht“. Er wolle sich nun bei allen entschuldigen, die er durch sein Vorgehen verletzt und getäuscht habe. Er soll gut 20.000 Euro in Rechnung gestellt haben, laut Verteidigung bekam er aber am Ende kein Geld.

Leichtes Spiel für Betrüger?

„Deutschland macht es medizinischen Hochstaplern zu leicht“, kritisierte Patientenschützer Eugen Brysch anlässlich des Falles. Angesichts von 17 Landesärztekammern sei es für Betrüger einfach, fehlende Zulassungen zu verschleiern. Um es Tätern schon im Vorfeld schwer zu machen, müssten die Prüfungsämter einbezogen werden, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. „Sie haben vor Ausstellung der Approbation die Echtheit des Staatsexamens zu bestätigen.“ Zudem brauche es endlich ein Zentralregister für Approbationen bei der Bundesärztekammer. Krankenhausträger müssten verpflichtet werden, die Zulassung eines Arztes hier abzufragen.

Aufgeflogen war der aktuelle Fall nicht zuletzt, als der falsche Arzt einen echten Arzt impfte. Diesem sei aufgefallen, dass der Mann auch auf einfachste ärztliche Fragen nicht antworten konnte, berichtete eine damals mit Ermittlungen betraute Polizeibeamtin. Daraufhin habe das Impfzentrum Anzeige erstattet.

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