Streit um Kinder-Studie geht weiter

Drosten und Kekulé beharken sich APOTHEKE ADHOC, 28.05.2020 17:12 Uhr

Berlin - Die Diskussion um die umstrittene Studie zur Covid-19-Ansteckungsgefahr bei Kindern geht in die nächste Runde: Nachdem sich die meisten Wissenschaftler bisher vorsichtig kritisch gegenüber der Studie von Professor Dr. Christian Drosten und dafür äußerst kritisch gegenüber den Methoden der Bild-Zeitung gezeigt haben, stärkt Virologe Professor Dr. Andreas Kekulé nun dem Boulevardblatt den Rücken: Es sei schwer nachvollziehbar, warum Drosten die Studie nicht zurückgezogen hat, schreibt er in einem Gastbeitrag für den Berliner Tagesspiegel. Doch diesmal schießt Drosten umgehend zurück.

Kekulés Botschaft ist ähnlich eindeutig wie die der Bildzeitung, dafür um einiges eleganter: „Warum Drosten die Studie nicht einfach zurückzieht, ist schwer nachvollziehbar“, schreibt er. „Der im Umgang mit den Medien versierte, erfahrene Forscher und Politikberater gibt stattdessen der Bild eine unnötige Angriffsfläche.“ Anders als die Zeitung legt Kekulé sich in der entscheidenden politischen Frage allerdings nicht fest. Es gebe auch weiterhin keine eindeutige wissenschaftliche Antwort auf die heftig umstrittene Frage, ob man Kitas und Grundschulen jetzt zügig öffnen sollte. „Das Beispiel der Charité-Vorveröffentlichung (wie zuvor auch der Heinsberg-Studie) zeigt, dass mit Schnellschüssen am Ende weder der Politik noch der Wissenschaft gedient ist“, so Kekulé.

Zuvor hatte er Drosten erhebliche Fehler in Bezug auf die Methodik und die Schlussfolgerungen seiner Studie angelastet. Denn der Chef der Charité-Virologie und seine Kollegen waren zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die Viruskonzentration im Rachen von Kindern nicht signifikant von der Erwachsener unterscheidet – Kinder also als eine wesentliche Rolle als Virusüberträger spielen könnten. Diese Sicht sei auf Grundlage der Ergebnisse nicht haltbar. Denn zum Einen seien die mit Tupfern abgenommenen Probenmengen der Probanden nicht miteinander vergleichbar, zum Zweiten wurden die Proben zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Krankheitsverlauf abgenommen.

„Weil die Viruskonzentration bereits einige Tage nach Symptombeginn deutlich abnimmt, sind die Proben auch aus diesem Grund nicht vergleichbar“, so Kekulé. „Um die dadurch unvermeidlichen, erheblichen Schwankungen der Messwerte statistisch auszugleichen, müsste die Stichprobe sehr groß sein.“ Ausgerechnet bei der hier relevanten Gruppe der unter Elfjährigen gab es jedoch nur 49 Patienten.

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