Corona: Epilepsie und Krampfanfälle | APOTHEKE ADHOC
Nach Covid häufiger als nach Grippe

Corona: Epilepsie und Krampfanfälle

, Uhr
Berlin -

Eine neue Studie belegt die gesteigerte Häufigkeit von Krampfanfällen nach einer Infektion mit Covid-19 im Vergleich zu Grippeerkrankungen. Überraschend ist dabei, dass Kinder häufiger betroffen sind als Erwachsene.

Ein Team aus Forscher:innen vom Nuffield Department of Clinical Neurosciences um Arjune Sen, Facharzt für Neurologie, untersuchten im Rahmen einer Studie den Risikofaktor für Krampfanfälle nach schweren Corona-Infektionen. Dabei wurden insgesamt etwa 81 Millionen Patient:innen untersucht, die vorwiegend aus den USA stammen. Nach Hinweisen für eine Häufung von Krampfanfällen wurde in den elektronischen Krankenakten gesucht. Die Daten belegen, dass es im Anschluss an eine Corona-Infektion häufiger zu Krampfanfällen oder einer Epilepsie kommt als nach einer Grippe. Vor dem Hintergrund einer „Propensity Score“-Analyse (als Alternative zur herkömmlichen nichtrandomesierten Therapiestudie) wurden jeweils 152.754 Patient:innen mit Influenza und Corona verglichen. In allen Merkmalen und Begleiterkrankungen konnten Parallelen gezogen werden.

Kinder häufiger betroffen

Dabei konnte beobachtet werden, dass Kinder mit 1,34 Prozent fast doppelt so häufig betroffen waren als Erwachsene mit 0,84 Prozent. Hospitalisierte Patient:innen erlitten seltener Anfälle als ambulant Behandelte. Kontrovers betrachtet werden muss dabei, dass schwere Infektionen zwar ein bekannter Faktor für Krampfanfälle sind, Kinder aber größtenteils leichte Erkrankungen durchmachen. Zudem widerspricht der allgemeinen Auffassung auch der Befund, dass ambulante Patient:innen im Gegensatz zu hospitali­sierten Menschen öfter an Krampfanfällen und manifesten Epilepsien erkrankten. Vorerst galt: der Schweregrad der Infektion ist der wesentliche Risikofaktor.

Die Ergebnisse bestätigen, dass in den ersten sechs Monaten nach der Infektion mit Corona 0,81 Prozent der Patient:innen wegen Krampfanfällen behandelt werden mussten. Bei 0,3 Prozent wurde Epilepsie diagnostiziert. Beide Ereignisse waren damit häufiger als bei Grippepatient:innen, die zu 0,51 Prozent Krampfanfälle erlitten und zu 0,17 Prozent eine Epilepsie.

Die Anfälle traten mit einer deutlichen Verzögerung zur Infektion auf:

  • bei Kindern durchschnittlich 50 Tage
  • bei Jugendlichen und Erwachsenen 21 Tage
  • bei ambulanten Patient:innen 41 Tage
  • bei Hospitalisierten Patient:innen 9 Tage

Verzögerte Intervalle als Erklärung

Sen vermutet: „In den ersten drei Gruppen können immunologische Phänomene für die Krampfanfälle und Epilep­sien verantwortlich gewesen sein. Bei den hospitalisierten Patienten könnten auch zerebrale Durchblutungsstörungen von Bedeutung sein.“ Der Mechanismus, der hinter dem Angriff auf die Nerven durch die Corona-Viren steckt, ist weiterhin unklar.

Nervensystem wird angegriffen

Frühere Studien hatten gezeigt, dass Krampfanfälle und Epilepsien auch während der Sars-Epidemie und beim „Middle East Respiratory Syndrome“ (Mers) beobachtet wurden. Beide Infektionen werden von Coronaviren ausgelöst. Eine mögliche direkte Invasion des zentralen Nervensystems durch Sars-CoV‑2 sowie indirekte Effekte durch verminderten Sauerstoffgehalt im Blut, Entzündungen und metabolische Entgleisungen werden als Ursache für die neurologischen Manifestationen bei Corona angenommen.

Krampfanfälle bei 22 Prozent

In einer retrospektiven Untersuchung der Paracelsus Medical University wurden Daten von 1695 Patient:innen erhoben, die jünger als 21 Jahre waren. Aufgrund einer schweren Covid-19-Erkrankung oder MIS‑C waren sie hospitalisiert. Es fanden sich bei 22 Prozent neurologische Symptome. Von diesen wiederum hatten 12 Prozent eine schwerwiegende neurologische Manifestation. Es wurden schwere Enzephalopathien, Schlaganfälle, Enzephalitis und demyelinisierende ZNS-Erkrankungen sowie Fälle von Guillain-Barré-Syndrom beobachtet.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
Mehr Antikörper durch bivalentes Vakzin?
Subtyp BQ.1.1: Die „Höllenhund“-Variante »
Plätzchen, Glühwein und Gänsebraten
Fettleber: Adventszeit als Herausforderung »
Mehr aus Ressort
„Das Virus trifft auf Bevölkerung mit wenig Immunschutz.“
Corona-Experte: China braucht wirksamere Vakzine »
Impfmüdigkeit stellt sich ein
Geringe Nachfrage nach Valneva »

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
„Das Virus trifft auf Bevölkerung mit wenig Immunschutz.“
Corona-Experte: China braucht wirksamere Vakzine»
Mehr Antikörper durch bivalentes Vakzin?
Subtyp BQ.1.1: Die „Höllenhund“-Variante»
„Lieferengpässe, die wir nicht dulden können“
Generikagesetz: Eckpunkte noch vor Weihnachten»
„Es fehlen keine Gelder“
Corona-Impfungen: Neue TestV als Plan B»
Plätzchen, Glühwein und Gänsebraten
Fettleber: Adventszeit als Herausforderung»
Kaiserschnitt beeinflusst Mikrobiom
Vaginale Geburt bietet Vorteil»
Ab Donnerstag als gebrauchsfertige Lösung bestellbar
Infectopharm bringt Glucosetoleranztest»
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
Kein Kalender: Kundin verklagt Apothekerin»
Apotheker kämpfen um Gärtnerei
Für PTA und PKA: Der Garten muss bleiben!»
„Aufgaben der PTA werden immer umfangreicher.“
PTA-Förderpreis: 18. Veranstaltung mit starker Resonanz»
Herzinfarkt, Schlaganfall & Nierenschäden
Diabetes als Risikofaktor»
B-Ausgabe November
90 Seconds of my life»
Kompetenter Begleiter für alle Leser:innen ab 60
my life Senioren»
Das Kindermagazin der my life Familie
Platsch»
Schwangere sind nicht automatisch befreit
Retaxgefahr: Zuzahlung in der Schwangerschaft»
Mehrkosten, Belieferung & Heilung
Retaxgefahr: BG-Rezept»