Corona-Booster: Impfschäden am Herzmuskel? | APOTHEKE ADHOC
Neue Studie führt zu Widersprüchen

Corona-Booster: Impfschäden am Herzmuskel?

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Berlin -

Die Universität Basel veröffentlichte kürzlich eine neue Studie zu Impfschäden durch Booster-Impfungen mit dem Vakzin von Moderna. Diese sollen deutlich häufiger zu Impfschäden am Herzmuskel führen als bisher angenommen. Die Ergebnisse führen in Fachkreisen zu Diskussionen und Widersprüchen.

Professor Dr. Christian Müller, Chefarzt und Leiter der klinischen Forschung sowie der stationären Kardiologie im Universitätsspital in Basel, untersuchte fast 800 Probanden, die eine dritte Impfung zur Auffrischung bekamen. Müller ist spezialisiert darauf, Herzerkrankungen möglichst früh zu erkennen, und richtete sein Augenmerk besonders auf die Ergebnisse eines Bluttests, der kardinales Troponin T erkennt. Dieses Protein kommt nur im Herzen vor, lässt sich aber auch im Blut in höheren Konzentrationen messen. Das Eiweiß stellt eine wichtige Komponente für die Muskelkontraktion des Herzens dar.

Nach einem Herzinfarkt dient dieser Marker unter anderem zur Diagnose der Schwere. Werden Zellen am Herzmuskelgewebe zerstört, kommt es zu einer Freisetzung von Troponin ins Blut. Anhand von fallenden oder steigenden Werten kann ein Herzinfarkt mit hoher Wahrscheinlichkeit von anderen Ursachen wie Überdehnung, Myositis oder Trauma abgegrenzt werden. Auch Stunden nach solch einem Vorfall kann das Troponin noch im Blut nachgewiesen werden.

Normwerte für Troponin T:

  • < 0,4 µg/l
  • Werte zwischen 0,4 - 2,3 µg/l können im Rahmen einer Herzmuskelerkrankung vorliegen
  • Werte > 2,3 µg/l sprechen für einen Herzinfarkt

Herzmuskelschäden entdeckt

„Ist Troponin im Blut in höherer Konzentration messbar, ist das ein Hinweis auf eine Herzmuskel-Zellschädigung. Je höher der Wert im Blut, desto höher auch die Schädigung“, so Müller gegenüber dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF).

Untersucht wurde das Blut der Teilnehmer:innen am dritten Tag nach Erhalt der Booster-Impfung. Bei drei von 100 Geimpften zeigten sich erhöhte Werte: „Wir haben eine Herzmuskel-Zellschädigung bei mehr Personen erkannt, als wir es erwartet hatten“, so Müller. Das Ausmaß sei zwar geringer als bei anderen akuten Herzerkrankungen und eher ein vorübergehendes Phänomen, erklärt Müller, aber man habe nachweisen können, wie sehr der Corona-Booster auf Veränderungen an den Herzmuskelzellen auswirke.

Widersprüchliche Interpretation

Anders äußert sich Professor Dr. Bernhard Metzler, Präsident der Österreichischen Kardiologie-Gesellschaft: „Der gemessene erhöhte Wert ist de facto in allen Fällen bedeutungslos“, erläutert er gegenüber „Der Standard“ im Interview.

Bei der Baseler Studie zu Impfschäden durch Booster-Impfungen gegen das Coronavirus wurde drei Tage nach der Auffrischung durch das Moderna-Vakzin das Blut von 777 Proband:innen auf Troponin untersucht. Dabei waren die Werte von 20 Frauen und zwei Männern erhöht. Zwar seien somit 2,8 Prozent deutlich mehr von Impfnebenwirkungen betroffen als die erwarteten 0,0035 Prozent, aber der Wert kann nach Impfungen jeglicher Art erhöht sein: „Jede Impfung ist eine Immunreaktion. Das ist das Prinzip von Impfungen. Und an ebendieser Immunreaktion kann auch das Herz mitbeteiligt sein“, erklärt Metzler.

Weiter erläutert er: „Der Wert schlägt schon bei der kleinsten Herzbeteiligung aus. Beteiligung, nicht Herzschaden.“ Müller fasst zusammen, man solle die Ergebnisse der Studie nicht überbewerten, aber auch nicht ignorieren. Der Nutzen einer Impfung sei substanziell, das Risiko sei da aber minimal.

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