Abrechnung Corona-Impfstoffe

75 Prozent Rabatt: ARZ Haan berechnet weniger

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Berlin -

Die Abrechnung der Corona-Impfstoffe verursacht auch für die Rechenzentren einigen Aufwand. Die Belege müssen händisch erfasst und vor allem versichert für vier Jahre gelagert werden. Trotzdem sind die Gebühren für die Abrechnung ein heikles Thema, wie das ARZ Haan erfahren musste. Das Rechenzentrum hat reagiert. Kleinere Anbieter nutzen die Impfstoff-Abrechnung für Marketing in eigener Sache.

Die Apotheken bekommen aktuell 6,58 Euro pro Vial, das sie an die Arztpraxen liefern. Bis Mitte Mai kann die Abda noch Zahlen vorlegen, um zu begründen, dass der Aufwand der Apotheken damit nicht abgedeckt ist. Weil eben auch bei der Abrechnung Kosten anfallen, wollte das ARZ Haan die Abda nach eigenen Angaben dabei unterstützen, diesen Aufwand zu beziffern. Möglichst zeitnah wurde eine Vollkostenrechnung erstellt und die Gebühr veröffentlicht: 4,80 Euro netto pro Beleg wurden aufgerufen.

In den Apotheken kam das nicht besonders gut an. Denn wenn nur wenig Impfstoff geliefert wird, wird schnell ein Großteil der eigenen Marge aufgefressen. Beim Rechenzentrum hatte man auch damit gerechnet, dass die Apotheken durchschnittlich 40 Vials verschiedener Impfstoffe an die Praxen liefern. Im ersten Monat lagen die allermeisten Apotheken aber deutlich darunter, auch weil der Impfstoff noch knapp ist. „Die Erfahrungen in den ersten Tagen zeigen, dass abweichend von bisherigen Annahmen nur geringe Impfstoffmengen geliefert und somit auch abgerechnet werden können“, heißt es vom ARZ Haan.

Darauf reagiert das Rechenzentrum: Zum Start gibt es einen Rabatt von 75 Prozent auf die Abrechnung, pro Verordnung zahlen die Apotheken als vorerst nur noch 1,20 Euro. „Der anfangs beschriebene Aufwand zur Bearbeitung und Archivierung dieses Sonderbeleges ist davon unberührt. Damit möchten wir transparent und fair auf aktuelle Entwicklungen reagieren und treten Ihnen gegenüber in Vorleistung“, so das ARZ Haan. Wenn demnächst mehr Impfstoff an die Praxen geliefert werden kann, wird das Rechenzentrum zum zuerst kommunizierten Preis zurückkehren.

Das kleine private Rechenzentrum AVC Dick will dagegen gar keine Gebühr für die Abrechnung der Impfstoffe nehmen. „Es macht schon eine Menge Arbeit und Ärger, aber wir wollen in der Corona-Krise mit dieser Dienstleistung unsere Kunden unterstützen“, so Geschäftsführer Werner Dick. Die Apotheken hätten mit der Belieferung genug zu tun und müssten zudem das Inkasso für die Großhändler übernehmen. Die legten ihre Rechnung für das Impfstoffzubehör einfach der Lieferung bei.

Natürlich tut sich ein kleinerer Anbieter mit einer allenfalls dreistelligen Kundenzahl leichter, den Aufwand zu schultern. So lässt sich etwa die Archivierung der Belege unbürokratischer lösen als bei den Schwergewichten der Branche mit ihren Compliance-Richtlinien.

Worin sich die Rechenzentren einig sind: Die Abrechnung wäre viel einfacher gewesen, wenn der Gesetzgeber hier konsequent auf digitale Prozesse gesetzt hätte. „Wir stehen wenige Monate vor der Einführung des E-Rezepts. Eine elektronische Datenerfassung für die Abrechnung der Corona-Impfstoffe hätten wir in zehn Tagen hinbekommen“, so Dick. Auch hätten die Rechenzentren dann direkt mit dem Phagro abrechnen können.

 

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