„Wir werden zu einem Frühling der Proteste aufrufen“, erklärte Abda-Präsident Thomas Preis. Heute startet eine Plakatkampagne unter der Überschrift: „Uns gibt es nicht zum Nulltarif“. Im Februar sollen zudem Online-Petitionen folgen. Ob es weitergehende Maßnahmen wie bundesweite Proteste geben wird, soll am 25. Februar auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Abda entschieden werden.
Heute beginnt in Deutschland ein Frühling der Proteste, denn die im Koalitionsvertrag versprochene Apothekenstärkung ist bislang ausgeblieben, erklärte Preis. Weder im Kabinettsbeschluss für ein Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) noch bei der morgigen Beratung des ApoVWG im Bundesrat ist die Honoraranpassung enthalten – trotz des klaren Versprechens im Koalitionsvertrag.
Die Ministerin müsse dringend umsetzen, was im Koalitionsvertrag vereinbart ist. „Wegen prekärer Situation vieler Apotheken muss die Honorarerhöhung schnell kommen“, so Preis. Daher startet schon heute der Frühling der Apothekenproteste mit dem Appell: „Apotheken gibt es nicht zum Nulltarif“.
Darum startet heute die bundesweite Kampagne mit Plakaten im öffentlichen Raum beispielsweise an Bahnhöfen und im ÖPNV. Zudem finden Aktionen in Sozialen Medien und in den Apotheken statt, um die Gesellschaft über die bedrohliche Situation für die Apotheken und die Gefährdung der Versorgung zu informieren.
Im Februar gehe die Aktion dann in die nächste Runde und Bürger:innen sollen die Möglichkeit erhalten, ihren Apotheken öffentlich den Rücken zu stärken. Die Apothekenteams werden dazu eine Online-Petition vorlegen, in der es um die Stärkung der Apotheken geht.
Außerdem soll es Protestveranstaltungen geben, damit die Apothekenteams öffentlich darauf hinweisen können, wie groß der politische Handlungsbedarf ist. Begleitet wird die Aktion von emotionalen Social Media-Posts der Apothekenteams.
Zudem wird es eine außerordentliche Mitgliederversammlung am 25. Februar in Berlin geben. Das Ziel: richtungsweisende, berufspolitische Entscheidungen und mögliche bundesweite Protestmaßnahmen diskutieren und beschließen. „Dort werden wir mit den 17 Kammern und Verbänden genau das diskutieren – bleiben wir bei Plakataktionen und Petitionen oder werden wir weitergehen“, erklärte Preis.
Preis betonte die Rolle der Apotheken in der Primärversorgung. Täglich fänden mehr als drei Millionen Beratungsgespräche in den Apotheken statt. Hinzu kämen jährlich rund zehn Millionen individuell angefertigte Rezepturen sowie der flächendeckende Nacht- und Notdienst. Seit 2024 wurden zudem über eine Milliarde E-Rezepte verarbeitet. Auch der Botendienst sei ein wesentlicher Pfeiler der Versorgung: Täglich werden rund 300.000 Lieferungen zugestellt. Darüber hinaus betonte Preis die Bedeutung der Apotheke für weitere Leistungen, wie etwa die Drogenersatztherapie für Suchtkranke.
Deshalb sei es wichtig, diese Daseinsvorsorge zu „schützen, zu stützen und weiterzuentwickeln“, betonte Preis. Auch auf neue Versorgungsleistungen wie Impfungen kam er zu sprechen. Diese würden laut Umfragen von der Bevölkerung ausdrücklich gewünscht; die Zahl der Impfungen in Apotheken habe sich im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr etwa verdoppelt. Die Erweiterung des Leistungsspektrums der Apotheken sei ein nicht wegzudenkender Faktor in der ambulanten Gesundheitsversorgung, insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels.
Gleichzeitig sinke die Zahl der Apotheken kontinuierlich. Zum Ende des vergangenen Jahres habe es nur noch rund 16.600 Apotheken gegeben. Dieser Negativtrend ist laut Preis noch lange nicht gestoppt: „Ein Umschwung kann nur durch die Politik herbeigeführt werden“, betonte er. Auch im Hinblick auf die Resilienz erklärte Preis: Nur ein dichtes Apothekennetz biete Schutz in Krisenzeiten.
In den letzten zwölf Jahren sei der Anteil des Apothekenhonorars an den GKV-Gesamtausgaben kontinuierlich auf 1,8 Prozent gesunken. Im Gegensatz dazu seien die Verwaltungskosten der Krankenkassen deutlich höher. Die Folgen für die Apotheken seien dramatisch: Aufgrund der unzureichenden Honorierung sei es vielerorts kaum noch wirtschaftlich, eine Apotheke zu führen. Das Betriebsergebnis sinke Jahr für Jahr. Die Schließungswelle ist ungebrochen – knapp 7 Prozent der Apotheken machen Verluste, nur ein Drittel der Apotheken (35 Prozent) erwirtschaftet lediglich weniger als 100.000 Euro pro Jahr. „Für viele Apotheken ist ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb so nicht mehr darstellbar“, so Preis.
Trotz der drastisch gesunkenen Apothekenzahl befinden sich weiterhin tausende Apotheken dauerhaft in einer prekären wirtschaftlichen Lage. Auch wenn der Umsatz in den Apotheken aufgrund von Hochpreisern steige, sinken die Umsatzrenditen.
Gleichzeitig seien die Kosten seit 2013 um 65,3 Prozent gestiegen – allein die Personalkosten um fast 80 Prozent. Die Apotheken könnten hier nicht gegensteuern, da die Arzneimittelpreise gesetzlich festgeschrieben sind. Durch die anstehende Mindestlohnerhöhung drohen weitere Mehrkosten. „Gutes Personal ist teuer und Fachkräfte müssen auch künftig gut bezahlt werden. Aber Steigerungen bei den Löhnen können viele Apotheken kaum verkraften“, so Preis.
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