Vergangenen Freitag wurde das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) zum ersten Mal im Bundestag beraten. Sowohl die Ministerin als auch die beiden Abgeordneten der Union wiederholten ihr Versprechen, die im Koalitionsvertrag zugesagte Fixumserhöhung bald umzusetzen. Der für Apothekenthemen zuständige Berichterstatter Stephan Pilsinger konterte Paula Piechotta (Grüne) – und erntete dafür Lob seitens der Apothekerschaft.
Zafer Arslan hat die Debatte im Bundestag mit seinem Team verfolgt. Geärgert hat sich der Inhaber der Apotheke an der Post in Wermelskirchen vor allem über die Aussage der Grünen-Abgeordneten Paula Piechotta. „Die Ärzteschaft bekommt jedes Jahr Milliarden-Zuschüsse, aber bei Apotheken wird eine Honorarerhöhung nicht gegönnt“, kritisiert er. Insbesondere Piechotta sei bereits häufig in der Vergangenheit mit ihrer apothekenfeindlichen Haltung aufgefallen. „Sie hat offenbar eine persönliche Abneigung gegen die Apotheken.“
Piechotta hatte eine pauschale Erhöhung an alle Apotheken angesichts der Finanzlage der Kassen als unsolidarisch bezeichnet. Pilsinger hatte dagegen gehalten: „Wären Sie damit einverstanden, wenn die Ärzte seit 2013 keine Gehaltserhöhung bekommen hätten, und das bei einer Inflation von 30 Prozent?“ Es sei absurd, die Notwendigkeit zu negieren.
Arslan erklärt weiter: „Wir fanden es toll, dass Pilsinger darauf geantwortet hat, und wollten uns deswegen persönlich bedanken.“ Es sei ermutigend zu sehen, mit welcher Klarheit und Überzeugung sich der Abgeordnete für die Belange der Apothekerinnen und Apotheker einsetze, schrieb der Apotheker an Pilsinger.
Er habe seine Apotheke kurz vor der Corona-Pandemie im Januar 2020 übernommen. Zu diesem Zeitpunkt seien die wirtschaftlichen Zahlen sehr gut gewesen. „Für den Kauf musste ich einen hohen Kredit aufnehmen, den ich planmäßig bis 2035 abbezahlen muss. Die Entwicklungen in unserer Branche bereiten mir und vielen weiteren selbstständigen Apotheker:innen jedoch große Sorgen“, erklärt der Inhaber.
Durch die Einführung des E-Rezepts sowie die Wettbewerbsvorteile ausländischer Versender verlagere sich zunehmend Umsatz ins Ausland. Zwar gebe es erfreulicherweise weiterhin viele Menschen, die die Arbeit der Vor-Ort-Apotheken schätzen und trotz hoher Rabatte und Bonusversprechen bewusst in die Vor-Ort-Apotheke kämen, aber „leider können wir diese Patientinnen und Patienten dennoch häufig nicht sofort versorgen, weil E-Rezepte seitens der Arztpraxen nicht rechtzeitig signiert oder auf die Gesundheitskarte geladen werden“.
In solchen Fällen würden die Betroffenen wieder nach Hause gehen und oft ihre Medikamente aus Bequemlichkeit online bestellen. „Besonders problematisch ist es, wenn Rezepte – beispielsweise am Freitagnachmittag – nicht signiert werden und Patientinnen und Patienten bis Montag ohne notwendige Arzneimittel bleiben.“
Für die Vor-Ort-Apotheken sei es daher essenziell, dass eine verpflichtende und zeitnahe Signierung von E-Rezepten in den Praxen stattfindet, betont der Apotheker. Darüber hinaus müssten gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen Apotheken und Versendern – insbesondere im Hinblick auf die vom Versandhandel angebotenen Rabatte auf verschreibungspflichtige Arzneimittel – herrschen. Auch klare gesetzliche Regelungen sollten getroffen werden, die einen Vertrieb verschreibungspflichtiger Medikamente durch Drogeriekonzerne durch die Hintertür verhindern. „Viele Kolleginnen und Kollegen wären Ihnen und Ihrer Partei sehr dankbar, wenn Sie sich auch für diese Punkte einsetzen würden.“
Arslan kritisiert: „Ich habe nie ganz verstanden, warum sich der deutsche Staat den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln in dieser Form antut, während in vielen europäischen Ländern entsprechende Verbote bestehen.“ Über Jahre hinweg flössen dadurch erhebliche Umsätze – und damit auch Steuereinnahmen in Milliardenhöhe – ins Ausland ab. Bereits faire und einheitliche Wettbewerbsregeln würden die Vor-Ort-Apotheken spürbar entlasten.