In den niedersächsischen Bezirken Diepholz und Nienburg gibt es einen Schulterschluss: Am 23. März werden alle Apotheken gemeinsam schließen. „Wir müssen jetzt einfach mal sagen, was Sache ist und nicht nur Streicheleinheiten vergeben und Händeschütteln“, erklärt Thomas Schwab, Inhaber der Domino-Apotheke in Rohrsen. Im angrenzenden Bremen sieht die Lage anders aus.
In den Bezirken Nienburg und Diepholz werden alle Apotheken am 23. März schließen. „Wir gehen auch an die Lokalpresse und informieren die Bevölkerung. Wir treten alle geschlossen auf – und das erfüllt uns mit Stolz“, betont Schwab.
Die Apothekenteams in beiden Bezirken stehen laut Schwab eng zusammen. Gerade der Kreis Diepholz sei größer. „Hier arbeiten wir auch eng mit dem LAV-Vorsitzenden und Stellvertretenden zusammen.“ Diese hätten einen Teil der Kommunikation in dem großen Bezirk übernommen. „Wir telefonieren dann auch einzeln unsere Kollegen ab und fragen und überzeugen. Wir haben nichts mehr zu verlieren.“
Man wolle in den zwei Bezirken „gemeinsam Kante zeigen“, sagt Schwab. „Das haben wir in den letzten 20 Jahren in der Form noch nie gemacht. Wir müssen jetzt einfach mal sagen, was Sache ist und nicht nur Streicheleinheiten vergeben und Händeschütteln.“
Es passiert laut Schwab einfach nichts – so gehe es nicht mehr weiter. Andere Berufsgruppen hätten bereits bewiesen, „dass man auch mal ein bisschen Druck ausüben muss, um etwas zu erreichen.“ Für dringliche Medikamente wie Antibiotika stehen Notdienstapotheken parat.
Doch nicht in allen Gebieten sehe es so gut aus, weiß Schwab. „In Bremen gibt es immer Probleme. Dort haben wir einen Kammerpräsidenten, der ja nicht so ganz davon überzeugt ist, immer auf den rechtlichen Rahmen geht und meint, er müsse seine Apotheken nicht schließen.“ Darin erkenne Schwab ein Problem. „Ich finde es schade, dass ein Kammerpräsident nicht vorangeht.“
Bereits beim letzten Apothekenprotest habe es Probleme mit den Randapotheken zum Bremer Kreis gegeben. „Ich bin jetzt ganz eng in Kontakt mit den Bezirksapotheken und versuche zu bewirken, dass auch mal die Apotheken in Bremen Geschlossenheit zeigen. Ich weiß nicht, ob es den Bremer Apotheken besser geht als uns.“
Von den 118 Apotheken im kleinsten Bundesland hätten nach Schwabs Kenntnis gerade einmal 27 ihre Beteiligung am Protest zugesagt. „Ich finde es dann traurig von der Kammer, wenn sie sagt, dass sie mit der Hälfte der Apotheken rechnen.“
Die Sk-Apotheke im Einkaufspark Duckwitz bleibt am Protesttag geöffnet, erklärt Jürgen Knapp, der gemeinsam mit Torben Scholz die Apotheke führt. „Wir müssen den Betrieb öffnen, ansonsten drohen uns empfindlich hohe Vertragsstrafen.“ Man spreche über einen mindestens vierstelligen, wenn nicht sogar fünfstelligen Betrag, stellt er klar. „Wir werden uns dennoch so gut es eben geht an dem Protest beteiligen“, so Knapp. Man wolle dazu Plakate in die Schaufenster hängen und die Menschen auf die Unterschriften-Aktion hinweisen, die die Abda in einer Online-Petiton startete.
Dass der Streik abermals auf dem Rücken der Patient:innen ausgetragen werde, heiße er nicht gut. „Die Menschen leiden darunter, es trifft die Falschen“, so Knapp. „Natürlich müssen wir Apotheken nach außen zeigen, wie es um uns steht und die Bevölkerung sensibilisieren, aber die Versorgung werden wir an diesem Tag aufrecht erhalten.“