Am Protesttag halten bundesweit notdiensthabende Apotheken die Stellung. In Pforzheim etwa bleibt die Christoph-Apotheke geöffnet. Inhaber Andreas Plommer hätte geschlossen, wäre er nicht für den Notdienst eingeteilt gewesen. Zur Unterstützung organisiert der Landesapothekerverband Baden-Württemberg (LAV) eine Kundgebung der benachbarten Apotheken vor seinem Betrieb. „Wir möchten Flagge zeigen“, sagt Christian Kraus, Vorsitzender der LAV-Region Pforzheim.
Plommer wird am Montag in Pforzheim die Arzneimittelversorgung aufrechterhalten. „Ich bin der arme Tropf“, sagt er. Denn um den Notdienst am Protesttag reißt er sich nicht. Der 48-Jährige erwartet einen Kundenansturm, denn fast alle Apotheken in Pforzheim und im Enzkreis werden dem LAV zufolge schließen. „Ich begrüße sehr, dass sich alle solidarisch zeigen und an einem Strang ziehen“, sagt er.
Der zu erwartende höhere Umsatz spielt für Plommer keine Rolle. Vielmehr hätte er sich einen Streik der notdiensthabenden Apotheken gewünscht. Wegen der fehlenden Honoraranpassung seit mehr als 20 Jahren müsse Druck aufgebaut werden. Die kleine Erhöhung von 25 Cent ab dem Jahr 2013 könne „man in der Pfeife rauchen“.
Wenn wirklich alle Apotheken geschlossen hätten, wäre die Wirkung größer gewesen. Die Krankenkassen müssten verstehen, dass die Versorgung etwa über Kliniken teurer sei als über Apotheken. Wenn jedoch das Apothekensterben so weitergehe, werde das System gegen die Wand fahren. Für Montag plant Plommer am Vormittag insgesamt fünf Mitarbeitende ein, für den Nachmittag sind es vier. Über die Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen vor seiner Apotheke freut er sich.
Kraus rief dazu auf, dass sich die Teams am Montag vor der Christoph-Apotheke zu einer Kundgebung und Patienteninformation treffen. Dadurch solle Geschlossenheit symbolisiert werden, sagt er. „Am besten wäre es, wenn alle Teilnehmenden in Arbeitskleidung und mit Plakaten oder Flyern erscheinen.“ Es habe „Überzeugungsarbeit“ gekostet, dass fast 100 Prozent der Apotheken geschlossen sind, sagt er. Wichtig sei, an einem Strang zu ziehen – „und zwar alle in die gleiche Richtung“, betont er. Wichtig sei es jetzt, Präsenz zu zeigen. Die Fahrt nach München dauere mit insgesamt sechs Stunden recht lange und sei nicht für jedermann machbar.
Wie viele mitmachen werden, kann der Inhaber der Apotheke am Markt noch nicht abschätzen. Natürlich könne nicht jeder den ganzen Tag vor der Apotheke stehen, deshalb legte er von 8 Uhr morgens bis 18 Uhr zweistündige Zeitfenster fest, zu denen die Apotheke besetzt sein sollte. Das Team der Christoph-Apotheke selbst werde am Montag in schwarzer (Trauer-)Kleidung bedienen und mit einer Art „Traueraltar“ mit Kerze und ähnlichem den geschlossenen Apotheken der vergangenen Jahre gedenken.