Schleswig-Holstein

Notdienst-Tausch wird abgeschafft

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Berlin -

In Schleswig-Holstein errechnet seit Januar eine Software die Notdienstverteilung. Ein Vorteil des neuen Systems sollte die Möglichkeit sein, auch spontan Dienste tauschen zu können. Dies stellte sich aber als großer Nachteil heraus. Nun soll die Tausch-Option wieder abgeschafft werden.

Die Software der Agentur Cyrano verteilt, wie auch schon in Nordrhein und Westfalen-Lippe, die Notdienste anhand von Geodaten. Auf diese Weise sollten die Dienste gerechter verteilt werden – manche Apotheken mussten in der Folge weniger Dienste leisten, andere mehr. Um die Akzeptanz für das System zu erhöhen, wurde die Tauschmöglichkeit eingeführt. Apothekern sollten beliebig oft tauschen können, auch von einem Tag auf den anderen.

Bei der Kammer ging man davon aus, dass – wie in der Vergangenheit – kaum getauscht würde. Vielleicht hundert Mal sei im vergangenen Jahr getauscht worden – bei rund 12.000 Diensten liege das im Promillebereich, sagte Geschäftsführer Frank Jaschkowski im Oktober. Damals erwartete er kein Chaos.

Aber es kam anders: „Hunderte haben bereits getauscht“, sagt er heute. Das überforderte das System: Bei jedem Tausch wurden die Kollegen per Fax oder E-Mail informiert, um die Aushänge anzupassen. Die Daten in Internetportalen seien zudem oft nicht aktuell gewesen, erklärt Jaschkowski. Auch dort seien Probleme entstanden.

Nun soll dem Tauschen ein Riegel vorgeschoben werden. Auf der Kammerversammlung wurde beschlossen, unterjährige Wechsel nicht mehr zu erlauben. Künftig dürfen Apotheker nur noch vier Wochen nach der Bekanntgabe des Plans für das kommende Jahr Änderungswünsche vorbringen. Aus wichtigen Gründen, etwa Krankheit, darf allerdings auch weiterhin im Jahr getauscht werden. Eine Gebühr dafür wird nicht fällig, weder bei Notfällen noch beim Tausch in der Vier-Wochen-Frist.

Aber auch an anderer Stelle wurde das neue System nachgebessert. Meist geht es Jaschkowski zufolge um lokale Besonderheiten: In Rendsburg etwa wird überlegt, mehr Apotheken einzubinden, da zum Teil nur Apotheken in der Peripherie und nicht in der Stadt geöffnet haben. Auch in anderen Regionen werde mit den Kollegen vor Ort über eine erhöhte Notdienstdichte diskutiert, so der Kammergeschäftsführer.

Mehrheitlich abgelehnt wurde hingegen der Vorschlag, dass Apotheken in der Nähe von ärztlichen Notfallpraxen an Sonn- und Feiertagen geöffnet sei dürften. Von der Kammerversammlung sei dieses System als „Rosinenpickerei“ kritisiert worden, so Jaschkowski. Apotheken könnten dann aufmachen, wenn es sich lohnte, und schließen, wenn nicht. Notdienst-Apotheken müssten immer geöffnet sein – auch wenn ihr womöglich Umsätze entgingen. Außerdem seien die Mitglieder überzeugt gewesen, dass die Ausnahmeregelung nicht zur Sicherstellung der Versorgung beitragen würde, so Jaschkowski. Der Antrag wurde daher mehrheitlich abgelehnt.

Insgesamt hat das neue System dem Kammergeschäftsführer zufolge aber Zustimmung gefunden. Es gehe nun lediglich darum, kleine Unebenheiten zu korrigieren. Wenn die Tauschmöglichkeit abgeschafft wird, würde das ein weiteres Problem lösen: Dann könnten wieder Notdienstpläne gedruckt werden. Dass es durch das neue System unmöglich war, den Patienten Notdienstkalender anzubieten, hatten einige Apotheker kritisiert.

Die Lokalpresse und Senioren hatten den Start eher kritisch begleitet. Das ist nicht unüblich und eine Erfahrung, die auch die Apotheker in Westfalen-Lippe und Nordrhein schon machten, als sie ihre Notdienste umstellten und Dienste gestrichen wurden. In Schleswig-Holstein ist die Anzahl der vollen Notdienste relativ gleich geblieben: Im vergangenen Jahr waren es 12.654 Dienste, in diesem Jahr müssen die Apotheken 12.616 leisten. Zum Vergleich: Im Kammerbezirk Nordrhein sind durch das neue System rund 6000 Dienste wegfallen.

Allerdings wurden auch die Teildienste, für die es keine Notdienstpauschale gibt, komplett abgeschafft. Mehrere hundert dieser Dienste wurden laut Kammer bisher im Jahr geleistet. Durch den Wegfall werde die Notdienstbelastung insgesamt reduziert. Einige Apotheker mussten zum ersten Mal in ihrem Leben einen Nachtdienst leisten.

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