Abholautomat: Munster vor Hüffenhardt | APOTHEKE ADHOC
Niedersachsen

Abholautomat: Munster vor Hüffenhardt

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Berlin -

Im baden-württembergischen Hüffenhardt lässt DocMorris mit der Eröffnung seines Arzneimittelautomaten immer noch auf sich warten. Derweil hat Apotheker Dr. Alexander Zörner aus der Sonnen-Apotheke im niedersächsischen Munster seinen neuen Abholautomaten schon in Betrieb genommen. Dort können Patienten ihr Arzneimittel mit einem PIN-Code auch außerhalb der Öffnungszeiten aus dem Automatenfach entnehmen. Das ist zwar nicht ganz neu, aber das Abholgerät gleicht immer mehr einem Geldautomaten. 

Jeder Patient muss vor dem Griff in Abholfach zuvor mit seinem Rezept oder Arzneimittelwunsch persönlich in die Apotheke gekommen sein. Der Automat wurde von der Firma Pharma Service Systeme (PSS) gebaut und aufgestellt.

„Das ist im Prinzip nichts anderes als ein klassisches von außen zugängliches Abholfach mit Türchen“, erklärt Apotheker Zörner seinen neuen Abholautomaten, den er im Oktober 2016 in Betrieb genommen hat. Zwar wisse auch er nicht genau, was DocMorris in Hüffenhardt aufstellen werde, aber sein Abholautomat grenze sich klar davon ab: „Er ersetzt nur das ehemalige Abholfach. Das ist eine Weiterentwicklung, eine Innovation“, so Zörner.

Nach seinen Angaben muss der Automat deswegen auch nicht von der Apothekenaufsicht in Niedersachsen genehmigt, sondern der Betrieb nur angezeigt werden. Das System funktioniert so: Der Patient erhält bei der Bestellung eines Arzneimittels einen Abholschein mit einem sechsstelligen PIN-Code. Den tippt er bei der Abholung wie bei einem Geldautomaten in die Tastatur ein. Anschließend öffnet sich das Fach und das bereitgelegte Arzneimittel kann entnommen werden. Laut Zörner ist das System gut gesichert und die Entnahme durch zufälliges Eingeben möglicher PINs nicht zu öffnen. Bei wiederholt falscher Eingabe sperrt der Automat die Ausgabe. „Gefüttert“ wird der Abholautomat von Hand. In bis zu 60 Fächer werden die vorbestellten Arzneimittel vorsortiert. Tippt der Patient außen die richte PIN ein, gibt der Automat das entsprechende Arzneimittel wie ein kleiner Kommissionierer aus dem richtigen Fach in das Ausgabefach.

Bezahlt werden kann am Automaten nicht. „Jeder Patient, der aus dem Automaten etwas herausholt, war vorher zur Beratung und Bezahlung in der Apotheke“, so Zörner. Eingesetzt wird der Automat vor allem für individuell bestellte Arzneimittel. Zörner: „Nach Lieferung durch den Großhandel können die Patienten das Arzneimittel so ohne Verzögerung aus dem Automaten entnehmen, bei Bedarf auch nach Ladenschluss um kurz vor Mitternacht.“

Das erspare den Patienten Wartezeit. „Manchmal tippeln Abholer in der Offizin mit den Füßen, weil sie nicht gerne warten, bis ein anderes Beratungsgespräch zu Ende geht“, berichtet Zörner aus seiner Erfahrung: „So kann ich jetzt in Ruhe weiter beraten. Das bringt auch für unsere Arbeit in der Offizin einen gewissen Entlastungseffekt.“ Alles lässt sich allerdings nicht im Automaten zur Abholung bereitstellen: Kühlartikel, BTM, unbezahlte oder zu große Artikel werden nicht eingelagert. „Im Prinzip lässt sich aber fast alles einlagern, was auch in unseren Kommissionierautomaten passt“, so Zörner.

Den klassischen Abholfächern ist der neue Automat aus einem weiteren Grund überlegen. Im Sommer können diese durch Sonneneinstrahlung schnell zu warm werden. Jetzt stehe der Bereitstellungskasten des Automaten in der gekühlten Apotheke. Die Temperatur steige nicht über 25 Grad. „Damit sind die nach Apothekenbetriebsordnung geforderten Lagerbedingungen einwandfrei erfüllt“, so der Apotheker.

Wie jede Neuerung sei auch der Abholautomat für die Apothekenmitarbeiter gewöhnungsbedürftig gewesen, berichtet Zörner. Mittlerweile gibt es aber 70 bis 80 Entnahmen wöchentlich. Die Resonanz der Kunden sei durchweg positiv. „Viele Patienten schätzen die schnelle und zeitlich flexible Abholmöglichkeit. Und unsere eigentliche Arbeit in der Apotheke, das vertrauensvolle Beratungsgespräch, bekommt etwas mehr Raum. Zudem kann ich zeigen, dass wir mit dieser Innovation mit der Zeit gehen“, so Zörner. Damit könne er auch ein positives Alleinstellungsmerkmal bieten.

„Seit Oktober 2016 bieten wir Ihnen einen neuen Service: Bestellte Medikamente können Sie jederzeit rund um die Uhr und ohne langes Warten an unserem Automaten abholen! Unser Service – Ihre Vorteile: Stressfreie Abholung rund um die Uhr – auch nachts!; Keine Wartezeiten beim Abholen in der Apotheke; Abgesichert durch eine persönliche, sechsstellige Abholnummer; Einfachste Bedienung Benachrichtigung per E-Mail oder SMS sobald das Medikament abholbereit ist (falls gewünscht)“, wirbt Zörner auf der Internetseite seiner Sonnen-Apotheke für den neuen Abholautomaten.

Kritik, er dränge damit die Patienten aus seiner Apotheke heraus, lässt Zörner nicht gelten: „Das stimmt nicht. Die Apothekentür steht selbstverständlich zu den Öffnungszeiten jedem offen. Das wissen die Leute und kommen für den persönlichen Kontakt und ein vertrauensvolles Gespräch in die Apotheke hinein.“

Bald 100 Abholautomaten hat die Firma PSS Pharma Service Systeme nach Angaben von Gründer und Geschäftsführer Peter Mödinger inzwischen deutschlandweit verkauft. Die Geräte kosten je nach Größe und Ausstattung zwischen 10.000 und 25.000 Euro. Mit der Genehmigung und Aufsicht habe es noch nie Probleme gegeben: „Bei und geht es nur um das Abholen“, so Mödinger. Theoretisch könne der Automat aber mehr. Es könnte Produkte der Freiwahl abgeben und auch OTC-Arzneien. Auch eine Verknüpfung mit einer Online-Besteller und einem Kommissionierautomaten ist denkbar, wird aber derzeit nicht angeboten.

Nach Angaben von Mödinger entlastet der Abholautomat nicht nicht das Apothekenpersonal. „Einige Apotheken berichten mir von einem echten Kundenzuwachs“, so der Firmenchef. Vor allem der Samstag sei Automatentag. Nach dem Wocheneinkauf und anderen Erledigungen kämen die Kunden auf dem Heimweg noch am Abholautomaten vorbei, weil sie sich nicht um die Öffnungszeiten der Apotheke kümmern müssten.

Inzwischen seien die Vorteile der Automatisierung in vielen Apothekerköpfen angekommen, glaubt Mödinger. Seit 2011 bietet seine Firma die Automaten an. Aber seit Mitte 2015 kommt das Geschäft erst richtig in Schwung: „Jetzt habe ich wöchentlich zwei bis drei Anfragen.“ Mit Blick auf die aktuelle politische Diskussion sieht Mödinger in seinen Automaten eine Antwort auf die Herausforderung: „Das ist auch ein probates Mittel gegen den Versandhandel mit Arzneimitteln.“

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