Pharmazie, ein Universum an Möglichkeiten

Mehr Zeit für Nebengeschäfte: Apotheker gibt vorzeitig ab

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Berlin -

Nach knapp 20 Jahren als Inhaber von Vor-Ort-Apotheken hat der frühere Celesio-Manager Thomas von Künsberg Sarre seine vier Betriebe abgegeben. Ein angestelltes Ehepaar teilte ihm mit, den Verbund verlassen und sich selbstständig machen zu wollen. „Ich dachte mir, dass diese beiden die idealen Nachfolger für mich seien – auch wenn es eigentlich ein wenig zu früh für mich ist“, sagt der 56-Jährige. Jetzt will er sich mehr auf seinen Herstellbetrieb und Start-ups fokussieren.

2006 machte sich von Künsberg Sarre selbstständig und führte zuletzt die Stadt-Apotheke Fellbach, die Ärztezentrum-Apotheke Kirchheim, die Center-Apotheke und die Stadt-Apotheke in Nürtingen in Baden-Württemberg. Zuvor war er beim früheren Großhändler Celesio als Projektleiter für das Kettengeschäft, in einer Leitungsfunktion für die Liberalisierung und später für die DocMorris-Kooperation zuständig.

Als der langjährige Filialleiter Dr. Tobias Raichle ihm von seinem Plan, sich selbstständig machen zu wollen, erzählte, freute er sich: „Ich bin stolz, dass ich in der Vergangenheit vier meiner Mitarbeiter für die Selbstständigkeit und das Unternehmertum begeistern konnte.“

Ideale Nachfolger

Das Ehepaar Raichle seien „die idealen Nachfolger“. Sie arbeiteten bereits seit mehreren Jahren mit und verantworteten „einen erheblichen Anteil unseres Erfolgs“. Gleichzeitig zeigten sie die selben Werte. „Weder die Kunden noch die Mitarbeiter werden im ersten Moment einen Unterschied merken.“ Bereits im Oktober 2024 wurde der Kaufvertrag unterschrieben und die Mitarbeiter im November 2024 informiert. „Familie Raichle und ich haben das Jahr 2025 bewusst als Übergangsjahr gestaltet.“

Eigentlich plante von Künsberg Sarre, die Apotheken im Alter von 60 Jahren abzugeben. „Wirtschaftlich betrachtet macht es für mich überhaupt keinen Sinn, dass ich verkaufe. Aber ich habe ja noch ein Leben neben den Apotheken.“ Parallel dazu betreibt er seit zehn Jahren Herstellungsbetrieb mit Fokus auf Eigenmarken und Schüßler-Salzen. Zudem ist er unter anderem am Start-up Curly Cube beteiligt. „Mir wurde bewusst, dass ich schon länger bedauerte, zu wenig Zeit für meine ‚Nebengeschäfte‘ zu haben. Nachdem man als Apotheker in Deutschland nicht mehr als vier Apotheken betreiben darf, hatte ich das Gefühl, dass meine Mission erfüllt sei und ich nun zu neuen Ufern aufbrechen darf oder muss.“

Kritik an Politik

Künsberg Sarre kritisiert die fehlende Anpassung des Fixums und die Folgen: „Wir haben in 20 Jahren mehr als ein Drittel der unternehmerischen Apotheker verloren. Es gibt 7000 Apotheker weniger, die es heute wagen, als eingetragener Kaufmann ihre Apotheken selbstständig zu führen und mit ihrem Privatvermögen gänzlich für die Güte ihrer Arbeit zu haften.“ Gleichzeitig seien Gehälter, Mieten, Energie- und Allgemeinkosten und auch Politikergehälter dramatisch gestiegen. „Als Kompensation für den Ertragsverfall wurden ‚Nebelkerzen‘ gezündet wie irgendwelche pharmazeutische Dienstleistungen zu erbringen.“

Tipp für Schulabgänger

Insgesamt übergab er Ende Dezember ein Team von 72 Angestellten. Künsberg Sarre geht mit einem guten Gefühl: „Es ist großartig, so wie es ist. Dr. Raichle hat ein paar spannende Ideen entwickelt und wird die Apothekengruppe weiterhin jung und innovativ halten.“ Abiturient:innen, die noch unschlüssig sind, empfiehlt er: „Studiert Pharmazie! Es ist unglaublich, was für ein Universum an Möglichkeiten sich damit eröffnet und egal, für was man sich entscheidet: Menschen zur Gesundheit zu verhelfen, ist höchst befriedigend und sinnstiftend.“

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