Kommentar

Lauterbach zerstört Frauenberuf

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Berlin -

Gesundheitsminister Karl Lauterbach lässt die Apotheken ausbluten. Ganz gezielt legt sich der SPD-Mann dabei mit einer Branche an, die von Frauen dominiert wird. Statt diejenigen zu stärken, die die Arzneimittelversorgung auch unter widrigsten Umständen sichern, will er sie soweit schwächen, dass er seine Pläne durchziehen kann. Er zeigt sich unbeeindruckt von den Warnungen, reagiert nicht auf die Proteste und zeigt eine Verachtung, die er bei männlich dominierten Berufen sicher nicht wagen würde. Damit offenbart er sich als Frauenfeind, kommentiert Carolin Ciulli.

Frauenquote, Equal Pay oder Care Gap und jetzt auch noch der Frauentag. Wir Frauen und unsere Leistungen sind in aller Munde. Das ist auch gut so und gleichzeitig schaffen wir es nicht, eine Gleichberechtigung in vielen Bereichen durchzusetzen. Auch wenn ich es nicht zugeben will, vielleicht fehlt wirklich die nötige Dominanz oder Aggression, um sich zu behaupten.

Und offenbar setzt auch hier Lauterbach an. Der Minister bringt bei seinen Ideen, das Apothekensystem zu liberalisieren, Begrifflichkeiten ins Spiel, die aufhorchen lassen und ihn entlarven: Light- und Mutter-Apotheken etwa sind eine Anmaßung für die Arbeit, die in den rund 18.000 Betrieben geleistet wird. Dass er damit, entgegen der Warnungen von Experten, das Tor für Konzerne und ihre Kettenphantasien öffnet, scheint kein Thema zu sein.

Apotheken mit hoher Frauenquote

Wer leistet eigentlich die Arbeit in Apotheken? Vor allem Frauen. Der Anteil weiblicher Approbierter in öffentlichen Apotheken liegt bei knapp 74 Prozent. Die Hälfte der Leiter:innen sind Frauen. Bei PTA und PKA liegt der Anteil bei über 90 Prozent. Lauterbach offenbart mit seiner Ignoranz gegenüber den Apotheken eine Verachtung dieser Leistung. Diese Frauen hätten allen Grund zu rebellieren.

Würde die Regierung sich dies auch bei männlich dominierten Branchen trauen? Wohl kaum. Bei den Bauern ist die Ampel sofort eingeknickt, als die mit Traktoren die Autobahnzufahrten blockierten. Die Lokführer können Deutschland wochenlang lahm legen, obwohl man weder als Fahrgast noch als Miteigentümer des Staatskonzerns dafür Verständnis haben muss.

Apotheken ohne Testosteronfiguren

Aber Lauterbach hat es mit einer Branche zu tun, in der sich keine Testosteronfiguren in den Vordergrund drängen, sondern in denen Frauen mit viel Einsatz, Verantwortungsbewusstsein und Pflichtgefühl die Versorgung sichern. Das gilt nicht nur für Apothekerinnen, PTA und PKA, sondern auch für Pflegerinnen oder Erzieherinnen im weiteren Sinne.

Statt diese Berufsgruppen zu stärken, bringen ausgerechnet SPD und Grüne mit ihrer aktuellen Gesundheits- und Sozialpolitik unmissverständlich ihre Verachtung für die Leistungsbereitschaft der Menschen in Versorgungsberufen zum Ausdruck. Und damit für hunderttausende Frauen, die diesen Staat durch ihren Einsatz zusammenhalten. Statt sie unterstützen, werden sie ausgenutzt.

Keine Sonderbehandlung

Wir Frauen brauchen keine Sonderbehandlung und bloß keinen Schutzballon aus Watte. Aber die Politik hat die Pflicht und die Verantwortung darauf zu achten, dass sich eben nicht das Recht des Stärkeren durchsetzt. Wenn nur noch diejenigen Gehör finden, die schwere Maschinen bedienen, gefährdet dies den sozialen Zusammenhalt und damit auch die Demokratie.

Klar ist, dass die Angestellten und Inhaberinnen in den Apotheken – wie ihre männlichen Kollegen – mehr leisten, als Arzneimittel abzugeben und zu beraten. Sie kümmern sich, sie beraten über die Arzneimittelversorgung hinaus, sie sind da, wo sonst im ländlichen Raum keiner mehr ist. Das anzuerkennen, gehört auch zu den Aufgaben eines Ministers, der eben kein Frauenfeind ist.

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