Keine Dosierangabe, kein Geld: Wer stoppt den Retax-Irrsinn? | APOTHEKE ADHOC
APOTHEKE ADHOC Webinar

Heute ab 20 Uhr: Wer stoppt den Retax-Irrsinn?

, Uhr aktualisiert am 29.11.2022 10:45 Uhr
Berlin -

Seit Ende 2020 gehören Dosierhinweise zu den Pflichtangaben auf dem Rezept. Die Kassen retaxieren mittlerweile Rezepte aufgrund fehlender Angaben – und zwar auf Null. Wer stoppt den Retax-Irrsinn? Dieser Frage geht ein APOTHEKE ADHOC Webinar heute ab 20 Uhr nach. Jetzt kostenlos anmelden!

Was aus pharmazeutischer Sicht berechtigt sein kann, entpuppt sich gerade als neuer Retax-Albtraum: Fehlen die Einnahmevorschriften oder der Hinweis „DJ“ („Dosierungsanweisung vorhanden: ja“) auf dem Rezept, können die Kassen die Rezepte retaxieren. Eine Friedenspflicht war mehrfach verlängert worden. Doch seit einem Jahr gibt es kein Pardon mehr.

Vor allem einige Betriebskrankenkassen sowie die AOKen in Hessen und Sachsen-Anhalt greifen seit einiger Zeit hart durch. Hat die Apotheke den von der Arztpraxis vergessenen Dosierhinweis übersehen, retaxieren sie den Abrechnungsbetrag auf Null. Andere Kassen lenken bei Widersprüchen (noch) ein oder kürzen nur um einen gewissen Betrag.

Beginn einer Retax-Welle?

Bislang geht es vor allem um Rezepte aus dem vierten Quartal 2021 – die Apotheken stehen also womöglich erst am Beginn einer neuen Retaxwelle. Die Situation erinnert an die Zeit, als die Kassen T-Rezepte wegen fehlender Kreuze auf Null retaxierten. Damals wurden erst die Medien und dann die Politik auf das Problem aufmerksam – und am Ende wurden Retaxationen aufgrund von Formfehlern per Gesetz verboten.

Politik plant Lockerungen

Auch jetzt ist die Politik bereits hellhörig geworden: Bis Ende September 2023 soll das Bundesgesundheitsministerium (BMG) Empfehlungen zum Bürokratieabbau im Gesundheitswesen erarbeiten. So sieht es das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz (GKV-FinStG) vor – und die Grünen schreiben diesen Passus dem Änderungsantrag aus ihren Reihen zu. „Darunter verstehen wir bspw. auch die Abschaffung von Retaxationen bei einfachen Fehlern des oder der verordnenden Ärzt*in wie bspw. eine fehlende Dosierangabe“, schrieb das Büro von Wirtschaftsminister Robert Habeck an Kai Christiansen, Kammerpräsident aus Schleswig-Holstein.

Webinar am Dienstag

Wer stoppt jetzt den Retax-Irrsinn? Dieser Frage geht am kommenden Dienstag (29. November) ein APOTHEKE ADHOC nach. Live zu Gast sind ab 20 Uhr gleich mehrere spannende Gäste:

Andrea Prochaska

Der Inhaberin der Sonnen-Apotheke in Mönchengladbach wurde von der Viactiv BKK ein Rezept über Simponi retaxiert. Schaden: 2604,15 Euro. Sie findet, dass die Situation untragbar ist – wirtschaftlich, aber auch heilberuflich und politisch.

Brigitte Fehrmann

Die Leiterin der Abteilung Taxation beim Landesapothekerverband Baden-Württemberg gibt Insights zu den aktuellen Entwicklungen und Tipps, welche Fehler Apotheken bei ausgesprochenen Retaxationen vermeiden sollten.

Holger Seyfarth

Als Vorsitzender des Landesapothekerverbands Hessen kennt Holger Seyfarth die Problematik. Schon vor zwei Jahren appellierte er an die Praxen, es bei der Ausstellung der Rezepte genau zu nehmen und den Apotheken so Aufwand und Retaxrisiko zu ersparen. Er hat eine klare Erwartung an die Politik.

Ab 20 Uhr live

Das Webinar findet heute ab 20 Uhr live statt. Hier geht es zur Registrierung.

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