„Der Gewinnrückgang drückt die Kaufpreise“

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Berlin - Der Umsatz der Apotheken steigt seit Jahren kontinuierlich an, wie die aktuellen Zahlen der ABDA belegen. Doch in den Verkaufspreisen von Apotheken spiegelt sich das nicht wider. Im Gegenteil: Einige Inhaber finden überhaupt keinen Nachfolger. Die Steuerberatungsgesellschaft RST hat sich auf die Bewertung von Apotheken spezialisiert. RST-Chef Axel Witte sprach mit APOTHEKE ADHOC über das Geschäft der Vermittlung, objektive Werte und den typischen Unternehmerlohn eines Apothekers.

ADHOC: Früher hat man sich beim Verkauf einer Apotheke auf einen Prozentsatz des Umsatzes geeinigt. Was ist daran falsch?
WITTE: Der Ansatz „x Prozent des Umsatzes“ ist absoluter Unsinn und auch gefährlich. Umsatz ist spätestens seit dem GKV-Modernisierungsgesetz (GMG) 2004 nicht mehr gleich Umsatz. Bei der Bewertung werden viele handwerkliche Fehler gemacht.

ADHOC: Wieso ist der Umsatz keine entscheidende Größe?
WITTE: Weil er nicht viel über das Unternehmen aussagt, vor allem bezogen auf die Zukunftsprognose. Es kommt auf die Versorgungs- und Kostenstruktur an, also letztlich auf den Gewinn. Seit dem GMG ist die Währungseinheit die Packungsanzahl. Je nach Versorgungsstruktur kann man im Extremfall beispielsweise mit 100.000 Euro Umsatz 30.000 Euro Rohertrag oder aber auch nur 5000 Euro Rohertrag erzielen. Zudem sind nicht originäre Offizinumsätze zu bereinigen, etwa aus der Heimversorgung, da bestehende Verträge schnell gekündigt werden können. Auch beim Versandhandel sind Umsatzzahlen mit Vorsicht zu genießen. Denn wer in diesem Segment Geld verdienen will, benötigt eine kritische Größe und muss das Ganze wirklich professionell betreiben.

ADHOC: Und wie berechnet man nun den Preis einer Apotheke?
WITTE: Ausgangspunkt ist der tatsächlich erzielte Gewinn der vergangenen drei bis fünf Jahre. Bei der Vergangenheitsanalyse werden Kennziffern wie Umsatztrends, Kundenfrequenzen, Wareneinsatzquoten oder Personalkosten analysiert. Bei der Prognose – also der Zukunftsanalyse – wird unter anderem die zukünftige Entwicklung des Standorts eingeschätzt, die zukünftige Ärzte- und Wettbewerbssituation oder auch notwendige Reinvestitionen.

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