„Ich habe nicht Pharmazie studiert, um Präqualifizierungsanträge auszufüllen“

Inhaber wird Angestellter in der eigenen Apotheke

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Berlin - Der eigene Chef sein, die Arbeitszeiten selbst bestimmen und dazu noch ordentlich verdienen: Die Klischees vom Leben als Apothekeninhaber nutzen sich ab, immer weniger Approbierte wollen selbst Inhaber werden. Umgekehrt wechseln sogar Inhaber ins Angestelltenverhältnis. Thomas Weißenborn war fast 37 Jahre lang Apothekeninhaber, doch mit 66 Jahren hatte er genug: Er verkaufte seine drei Apotheken und lässt sein Arbeitsleben nun als Angestellter ausklingen. „Das habe ich bisher keine Sekunde bereut“, sagt er.

Weißenborn kann auf ein gelungenes Lebenswerk zurückblicken: 1984 übernahm der die Markt-Apotheke in Wildeshausen südwestlich von Bremen, 2001 die Lindenmarkt-Apotheke in Bassum und schließlich 2006 die Apotheke Insel am Westring – alle drei sind heute gut laufende Betriebe mit überdurchschnittlichem Umsatz und spezialisiertem Personal, wie er betont. Aufs Altenteil will Weißenborn noch lange nicht, Inhaber bleiben aber ebenso wenig. Seit 1. Oktober arbeitet er als angestellter Apotheker in den Betrieben, die er selbst aufbaute und jahrelang leitete.

„Die Vergangenheit war toll, aber die Zukunft ist eine große Herausforderung“, sagt er. Die politischen Weichenstellungen machten den Beruf künftig nicht leichter. „Ein Grund für meine Entscheidung war, dass ich die Entwicklung des E-Rezepts seit 20 Jahren beobachte und sehe, dass dieser Prozess noch einige Jahre in Anspruch nehmen wird. Das wollte ich mir nicht mehr antun und dachte, dass das ein guter Anlass wäre, weiterzugeben.“ Das heißt wahrlich nicht, dass Weißenborn Probleme mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens hätte – im Gegenteil: In der Vergangenheit hat er gar selbst federführend ein Projekt zur Digitalisierung der Heimversorgung angestoßen, hat dadurch sogar seinen Nachfolger Ralf Oehlmann kennengelernt.

„Ich bin durchaus ein engagierter Verfechter der Digitalisierung. Aber das Interesse ist das eine, die praktische Umsetzung das andere.“ Am E-Rezept könne man das sehr gut erkennen: „Mir ist das alles zu flach gedacht, Probleme im Alltag werden da nicht konkret berücksichtigt. Ich habe das Gefühl, das ist eine politische durchgeboxte Entscheidung ohne Berücksichtigung der Bedürfnisse der Menschen an der Basis. Ich sehe das eher als ein Hilfsprojekt für ein Geschäftsmodell, das in Deutschland keiner braucht.“

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