Apotheker fordern Proteste

„Ich lebe vom Skonto“

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Berlin -

Das Verbot von Skonti bei Rx-Medikamenten hinterlässt bei vielen Inhaber:innen Ratlosigkeit. Der Rabatt für die schnelle Begleichung von Rechnungen sei „das Zünglein an der Waage“ gewesen, sagt Ralf Stolte von der Apotheke zur Residenz in Büren. Andere fühlen sich hilflos und von der Standesvertretung alleingelassen. Die Enttäuschung ist groß.

Stolte betreibt seit 15 Jahren eine „kleine Landapotheke“. „Ich lebe vom Skonto. Für uns sind die Skonti die tragende Säule der Vergütung“, sagt er. Der Anteil an verschreibungspflichtigen Medikamenten sei sehr hoch und liege bei mehr als 90 Prozent vom Umsatz. Nach Abzug aller Kosten sei genau dieses Geld aus den Nachlässen übrig – etwa um Kleidung, Restaurantbesuche oder Urlaub zu bezahlen. „Wir leben, davon, dass wir unsere Rechnungen bezahlen, das ist doch ironisch.“

„Laute“ Proteste gefordert

Der Apotheker will jetzt versuchen, weiter Kosten zu reduzieren. Wobei er schon mit der Anhebung des Kassenabschlags an möglichen Stellschrauben gedreht hat. Jetzt überlege er, sich den Botendienst oder die Kundenzeitschriften bezahlen zu lassen. „Man muss jetzt aktiv werden. Wenn wir das jetzt hinnehmen, karikieren wir uns selber.“ Er fordert richtig „laute“ Proteste etwa einen 24-Stunden-Notdienst vor dem Bundesgesundheitsministerium. Man müsse sich am Beispiel der Bauernproteste orientieren. Die letzte Hoffnung sei, dass sich die Apotheken dadurch Gehör verschafften. Denn er hatte eigentlich vor über das Rentenalter hinaus in der Offizin zu arbeiten.

Frust bei Apothekeninhaber:innen

Für einen Kollegen aus Süddeutschland kommt mit dem Skonti-Urteil eine weitere Überraschung dazu. „Ich habe früher immer gedacht, dass Apothekeninhaber ein konstanter Beruf ist, mir ist das jetzt zu abwechslungsreich. Ich bin 36, viele, die jetzt über 50 oder 60 sind, werden sicher schließen.“ Die Zeiten, in denen eine Apotheke so ein Urteil kompensieren kann, seien vorbei. Das Urteil sei ein „Tiefschlag“ für alle, doch besonders große Apotheken mit hohen Nachlässen seien betroffen. „Ich bin frustriert und die Stimmung ist schlecht.“

Auch die Entscheidung, die Präqualifizierung bei apothekenüblichen Hilfsmitteln ab April zu streichen, treffe ihn. Als Inhaber eines Sanitätshauses habe er von der besonderen Stellung profitiert. Jetzt könne jeder Bandagen & Co. abgeben. „Das ruiniert das Geschäft. Ich habe alles probiert, was legal ist, um nebenher Geld zu erwirtschaften, aber Apotheke ist unplanbar geworden.“ Der Apotheker vermisst Proteste seitens der Abda. „Die überlegen zu lange. Ich war schon so weit, einen Gesundheitskiosk aufzumachen, um eine Förderung zu erhalten.“

Apotheker schreibt Brandbrief an Politiker

Robert Götz von der Götz Apotheke in Petershausen schrieb einen Brandbrief an Bundestagsabgeordnete. „Es macht keine Lust mehr. Das dürfte das Ende des bisherigen Apothekensystems bedeuten“, heißt es in dem Schreiben an Erich Irlstorfer und Bernhard Seidenath (beide CSU). Nicht nur die Apotheken würden zugrunde gehen durch Arroganz und Ingnoranz von Politikern und Bürokraten. „Deutschland verliert in zu vielen wichtigen Bereichen seine bisherigen Standortvorteile, dadurch auch die Kraft für soziales Verhalten und für die Gestaltung sinnvoller und notwendiger Rahmenbedingungen“, kritisiert er.

Problem Blisterabteilung

Götz geht für sich und seinen Betrieb von einem Wegfall von 90.000 bis 100.000 Euro Gewinn aus. Die Einschränkung sei massiv. Die Blisterabteilung treffe es extrem. Auch die Erhöhung der Gebühren für Heime könne nicht viel helfen. „Was ist mit meiner Perspektive? Wie soll ich Löhne oder Weihnachtsgeld zahlen oder Rücklagen bilden?“ Gerade bei den Hochpreisern sei man abhängig vom Skonto. Dadurch habe man Spielraum, diese vorfinanzieren zu können. Wenn Skonto wegfalle, werde es irgendwann heißen, die Medikamente seien nicht lieferbar und die Kund:innen würden weggeschickt.

„Ich bin sehr enttäuscht“, erklärt ein weiterer Apothekeninhaber. „Die drei Prozent sind ein riesiger Verlust für uns, es geht mit den Apotheken weiter bergab.“ Neben dem anhaltenden Personalmangel und gerechtfertigten, aber dennoch steigenden Personalkosten käme jetzt noch die Skonti-Streichung obendrauf. „Die Entwicklung ist einfach enttäuschend, die Kritik seitens unserer Standesvertretung ist und bleibt einfach zu leise.“

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