Apotheke ohne Telefon

„Hab Angst vor dem nächsten Telekom-Mitarbeiter“ Torsten Bless, 20.04.2018 13:40 Uhr

Berlin - Montagearbeiten beim Nachbarn wurden Birgit Doll zum Verhängnis. Beinahe eine Woche lang blieb ihre Rathaus-Apotheke im nordrhein-westfälischen Schwerte ohne Festnetztelefon, Fax und Internet. Die Telekom zeigte sich wenig kooperativ.

Das Unheil nahm am Dienstag nach Ostern seinen Lauf. Die Telekom hatte angekündigt, einen Anschluss für den Hausnachbarn zu legen. Doll selbst war zu diesem Zeitpunkt nicht in der Apotheke, sie ruhte sich für den bevorstehenden Notdienst aus. „Vor Kurzem hatte schon einmal ein Telekom-Mitarbeiter an den Leitungen gearbeitet, danach funktionierte das Internet nicht mehr. Wir konnten ihn noch zurückrufen, die Störung wurde innerhalb von Minuten behoben.“ Aber die Apothekerin war gewarnt: „Ich schärfte meinen Mitarbeitern ein, genau darauf zu achten, dass hinterher alles noch funktioniert.“ Leider umsonst: „Nach den Arbeiten ging gar nichts mehr, weder Internet, noch Telefon, noch Fax. Der Telekom-Mensch sagte, alles sei korrekt gelaufen, für alles weitere habe er jetzt keinen Auftrag.“

Ganz unrecht hatte er nicht, denn Doll war mit ihrer Apotheke Kundin von 1&1. Die Firma hatte die Leitungen von der Telekom gemietet. Die 1&1-Hotline richtete eine Rufumleitung auf Dolls Privathandy ein und nahm Kontakt zur Telekom auf. Für Mittwoch zwischen 13 und 17 Uhr wurde der Besuch eines weiteren Service-Technikers angekündigt. „Ich musste also nach meinem Nachtdienst, der diesmal nicht ganz so ruhig war, und auch über die Mittagspause hinweg in der Apotheke bleiben.“ Niemand kam. Doll wurde von Tag zu Tag vertröstet, doch weder am Donnerstag noch am Freitag mochte sich ein Mitarbeiter des Magenta-Konzerns blicken lassen.

„Alle Anrufe liefen über mein Mobiltelefon, doch mit einer Leitung kommen sie im täglichen Betrieb nicht weit“, schildert die Apothekerin. „Meine Mitarbeiter nutzten für Rückrufe und Bestellungen ihre eigenen Handys.“ Auch das EC-Terminal sei nur eingeschränkt nutzbar gewesen. „Kartenzahlungen nahmen wir per Unterschrift entgegen, das Gerät konnte die Transaktionen speichern. Aber ab einem Betrag von 80 Euro mussten wir die Kunden bitten, sich Bargeld bei der Bank zu besorgen oder an einem anderen Tag wiederzukommen.“

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