Mit Terminal und Postfiliale

Freiwahl bleibt: Apotheke wird Gesundheitsshop

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Berlin -

In Bayern hat in einer geschlossenen Apotheke ein neues Geschäft geöffnet. Der Inhaber ist auch Apotheker, der über den neuen Gesundheitsshop mit Terminal und einem Sortiment an Freiwahlprodukten die Gesundheitsversorgung aufrechterhalten will – nicht ohne Gegenwind.

Frank Füßl betreibt gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Roman Vogl vier Apotheken: die St. Georg Apotheke in Freising und drei Betriebe in München. Eine Expansion ist damit nach dem Apothekengesetz (ApoG) unmöglich. Als Füßl von der Schließung in Langenbach erfuhr, reifte in ihm eine Idee.

Wie viele Kolleginnen und Kollegen erwägte er, über ein E-Rezeptterminal die Versorgung in dem rund 4000 Einwohnerinnen und Einwohner zählenden Ort im Landkreis Freising zu sichern. Doch es sollte nicht nur ein Bestellbildschirm in einem Supermarkt oder einer Bäckerei sein. Er nutzt die Räume der ehemaligen Apotheke und eröffnete dort ein neues Geschäft.

Neue Firma für Gesundheitsshop gegründet

Der Gesundheitsshop läuft nicht über die Offene Handelsgesellschaft (OHG), sondern wird aus einer eigenen Gesellschaft heraus betrieben, wie er betont. Angeboten werden verschiedene freiverkäufliche Produkte aus der Apotheke. Künftig sollen auch ein E-Rezept-Terminal und ein Abholautomat dazu kommen. Noch können Kundinnen und Kunden mit Hilfe der früheren Apothekenangestellten über die App und Tablets verschreibungspflichtige Arzneimittel vor Ort bestellen. Die Mitarbeitenden sollen dort weiter angestellt sein. Das Sortiment an Gesundheits- und Drogerieartikeln soll erweitert werden. Ausgeliefert werden die Produkte über den Versandhandel der St. Georg-Apotheke.

„Es ist ein Service-Point, ein Ort, an dem verschiedene Dienstleistungen zusammenlaufen.“ Geplant sei auch, DHL- und Post-Services anzubieten. Bereits zum Start Anfang des Jahres musste er sich Kritik aus der Kollegenschaft anhören. Dem steht er jedoch gelassen gegenüber. „Ich betreibe keine Rosinenpickerei, sondern biete der Gemeinde eine Alternative an“, betont er. Zudem habe niemand den Betrieb übernehmen wollen.

Apotheker verteidigt Shop

Aus rechtlicher Sicht dürfte dem Konzept nichts im Wege stehen. Denn das Angebot von freiverkäuflichen Produkten wie Nahrungsergänzungsmitteln oder Kosmetik darf außerhalb von Apotheken stattfinden. Vorsicht ist jedoch beim Angebot von Produkten geboten, für die es einen Depotvertrag mit Klauseln gibt, die ein entsprechendes Umfeld vorschreiben.

Das Angebot komme aus der Apotheke heraus und werde nicht von einer Drogerie wie dm gemacht, sagt Füßl. „Wir helfen den Menschen vor Ort und stellen beispielsweise nicht einfach ein Rezept-Terminal in eine Ecke.“ Füßl verweist auf die Vorteile: Dabei sei die Apotheke schneller als Versender. „Wer bis 12 Uhr bestellt, erhält seine Arzneimittel bis 16 Uhr am Folgetag, und das alles regional“, betont er. Geplant sei, dass ein neuer Ort der Zusammenkunft für die Gemeinde entsteht.

Die Idee zum Gesundheitsshop ist nicht neu. In Thüringen etwa gibt es verschiedene Gesundheitsmärkte, betrieben von Apothekerinnen und Apothekern. Die Aufsicht hatte dort kein Problem mit dem Konzept. In Bayern steht auch die Politik hinter dem Shop von Füßl. Langenbachs Bürgermeisterin Susanne Hoyer etwa, die gerade mitten im Kommunalwahlkampf steckt, warb für den Shop. Auf Nachfrage will sie sich aber nicht dazu äußern. Gemeinsam mit der bayerischen Gesundheitsministerin Judith Gerlach (beide CSU) spricht sie am heutigen Dienstag bei einer Diskussionveranstaltung über die Zukunft der medizinischen Versorgung im Landkreis Freising. Dabei soll es auch um die Rolle von Haus- und Fachärzt:innen, Apotheken und neue Versorgungsformen gehen.

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