In den Apotheken werden im Jahr fast 15 Millionen Betäubungsmittel (BtM) abgegeben. Davon werden knapp 3 Millionen individuell als Rezepturen hergestellt. Auch in der Apotheke im Nordharz Center in Blankenburg benötigen Kundinnen und Kunden Individualfertigungen sowie BtM. Inhaberin Susanne Bormann betont die Bedeutung der Vor-Ort-Apotheke und fragt sich, was mit dieser Kundschaft im Versand passiert.
In der Apotheke im Nordharz Center wurden in der vergangenen Woche 24 BtM abgegeben. In der Rezeptur wurden 21 individuell angefertigte Arzneimittel hergestellt. „Wer versorgt diese Patientinnen und Patienten, wenn wir nur noch auf Versand aus dem Ausland setzen?“, fragt Bormann.
Die Frage könne unbequem sein, aber rechtlich dürfen ausländische Versender keine BtM nach Deutschland liefern, sagt sie. Und individuelle Rezepturen seien keine Massenware, sondern patientenindividuelle Anfertigungen – praktisch nur vor Ort umsetzbar. „Trotzdem wird oft so getan, als ließe sich Versorgung einfach digitalisieren und verschicken.“ Das sei nicht innovativ, sondern realitätsfern, kritisiert sie.
Die Inhaberin betont, dass Gesundheitsversorgung Verantwortung bedeutet und nicht Logistikoptimierung. „Wer eine echte Vollversorgung will, braucht die Apotheke vor Ort. Alles andere ist ein gefährliches Experiment.“
Die Zahl der abgegebenen BtM ist zuletzt gestiegen. Dabei handelt es sich um besonders beratungsbedürftige Medikamente – gerade bei Patienten, die sie zum ersten Mal verordnet bekommen haben. Eine weitere Herausforderung bei diesen stark wirksamen Arzneimitteln ist der Abgabevorgang in der Apotheke. So müssen die Anforderungen für ein korrekt ausgestelltes BtM-Rezept beachtet und Zu- und Abgänge im Bestand lückenlos dokumentiert werden.
Die Zahl der Rezepturen ist rückläufig. 2024 wurden allein für gesetzlich Versicherte rund 10 Millionen Rezepturen hergestellt, davon sind 4 Millionen Standardrezepturen wie Hautcreme oder Fieberzäpfchen. Besonders viele Kinder profitieren von der Leistung der stationären Apotheken etwa wenn ein Medikament in einer bestimmten Dosis nicht als Fertigarzneimittel verfügbar ist. Auch viele Seniorinnen und Senioren brauchen diese Sonderanfertigungen.