Viele Apotheken bieten den Botendienst für ihre Kundschaft an. Insbesondere ältere immobile Patient:innen profitieren von diesem Service. Dabei wird die Leistung von den Inhaberinnen und Inhabern ganz unterschiedlich abgerechnet. „Für mich ist der kostenlose Botendienst ein absolutes Muss“, sagt Dominik Herzog, Inhaber der Herzog-Apotheke in Neckargemünd. Ganz anders sieht das eine Inhaberin aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen: „Ich biete gar keinen Botendienst an, weil es sich einfach nicht lohnt.“
Viele Apotheken setzen auf den Bringdienst, vor allem auch im Hinblick auf den Vormarsch des Versandhandels. „Ich glaube, wer heute kein ausgeprägtes Botendienstangebot hat, wird es in Zukunft schwierig haben. Deshalb ist ein kostenfreier Bringdienst für uns ein Muss“, stellt Herzog klar. Er schaffte für die Auslieferungen insgesamt drei E-Autos an. „Davon sind zwei jeden Tag im Einsatz und das dritte dient zur Sicherheit.“
Für ihn lohnt sich der Service definitiv. „Wir haben ein riesengroßes Einzugsgebiet“, beschreibt er die Situation. „Wir beliefern Kundschaft, die bis zu 45 Minuten weit weg wohnt. Klar ist der Botendienst teuer, aber wir nutzen diesen auch für unsere Sichtbarkeit“, so Herzog. Auf den Autos sei Werbung für seinen Betrieb aufgeklebt und man könne die Öffnungszeiten sehen. „Allein das ist schon ein Wahnsinnsmarketing.“ Er vermutet: „Es würde sich theoretisch schon rechnen, wenn wir einfach Fahrer ohne Medikamente in der Gegend rumfahren lassen. Nur damit die Menschen sehen, welchen Service wir bieten.“ Für Herzog ist der Botendienst ein Tool, Kundinnen und Kunden an die Apotheke vor Ort zu binden.
Eine Inhaberin aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist ganz anderer Meinung. Aus Rücksicht gegenüber ihrer Kundschaft, möchte sie lieber anonym bleiben. „Wir haben keinen Botendienst und hatten auch noch nie einen“, erklärt sie. Manche Kunden würde man durch den fehlenden Service zwar verlieren, aber das rechtfertige die Kosten nicht. „Wenn ich es gegenrechne, was ein Auto und zwei Fahrer kosten, lohnt es sich schlicht nicht.“ Sie gibt aber zu bedenken, dass die Apotheke in einem kleinen Ort sei und man die Kundschaft gut kenne. „Wir wissen in der Regel, was verordnet wird, und haben uns mit dem Warenlager darauf eingestellt.“
Dabei lehnt sie in dringenden Fällen eine Lieferung nicht gänzlich ab. „Natürlich habe ich auch schon Arzneimittel vorbeigebracht, in der Regel funktioniert es aber auch ohne Botendienst.“ Die Vergütung für den Bringedienst bei verschreibungspflichtigen Präparaten ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein: „Ich kann gar nicht so viel liefern, dass sich das kleine Entgelt dafür auch lohnt.“ Ein Problem sei in der Hinsicht auch die Stapelsignatur bei E-Rezepten. „Diese wird noch viel von den Arztpraxen angewandt. Die Patienten müssen teilweise doppelt und dreifach wieder zu uns kommen, das sorgt natürlich manchmal für Verstimmungen, aber im Großen und Ganzen fahren wir gut damit, keinen Botendienst zu haben.“
Weil die Auslieferungen für viele Apotheken ohnehin ein Minusgeschäft darstellen, haben sich einige Inhaber:innen für eine Zwischenlösung entschieden. Sie bieten den Dienst an, aber verlangen dafür ein variables Entgelt. So auch Martin Beutling, Inhaber der Glocken-Apotheke in Oberhausen. „Der Botendienst für verschreibungspflichtige Arzneimittel ist bei uns kostenfrei, denn dieser wird ja der Kasse in Rechnung gestellt“, erklärt er.
„Für OTC-Präparate müssen Kundinnen und Kunden je nach Warenwert für die Lieferung 5 Euro bezahlen.“ Die Grenze habe er bei 20 Euro gesetzt. „Alles was weniger kostet und geschickt werden soll, kostet dann entsprechend.“ Bei Patienten, die nicht zu seiner Stammkundschaft gehören, lehnt er eine Lieferung auch mal ab. „Wenn die Leute zudem entweder weit weg wohnen oder an schwer erreichbaren Orten, dann möchte ich eine Botenfahrt vermeiden. Vor allem, wenn ich weiß, dass derjenige auf dem Weg noch an vielen anderen Apotheken vorbeikommt.“