Apothekenkundin greift Falithrom statt Jodid | APOTHEKE ADHOC
Rx-Arzneimittel statt OTC

Apothekenkundin greift Falithrom statt Jodid

, Uhr
Berlin -

In einer Berliner Apotheke hat eine Kundin die Offizin unbemerkt mit einem Blutverdünner statt eines Jod-Präparates verlassen. Die Verwechslung ist in der Prenz’l-Apotheke von Dr. Detlef Glaß schnell aufgefallen – die Frau konnte das Team jedoch nicht mehr erwischen. Mit Hilfe des Landesamts für Gesundheit und Soziales Berlin (LAGeSo) soll die Patientin gefunden werden.

Nach einem Arztbesuch kam am Dienstag eine Frau in die Offizin. „Die Kundin hatte ihr Ernährung umgestellt, war Veganerin und wollte eine Beratung zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln“, sagt Glaß. Der Arzt habe ihr ein Eisenpräparat empfohlen, nach längerer Rücksprache mit der Apothekenangestellten sollte es ein Iod-Produkt sein. Die Mitarbeiterin empfahl Jodid.

Die Packung kam aus dem Kommissionierautomaten und lag in der Auslagerung gemeinsam mit einer Packung Falithrom. Das rezeptpflichtige Arzneimittel mit blutgerinnungshemmender Wirkung war für die Kundin am Nebentisch bestimmt. Das Rx-Medikament lag deshalb auf dem Nachbar-HV. Während die Apothekenmitarbeiterin der veganen Kundin noch ein paar Tipps auf einen Zettel schrieb, steckte die Frau statt Jodid die Falithrom-Packung ein und verließ die Apotheke.

Der Mitarbeiterin sei gleich aufgefallen, dass das OTC-Produkt noch auf dem HV-Tisch lag, so Glaß. Doch erst wunderte sich niemand. „Gerade nach längeren Beratungsgesprächen kommt es öfter vor, dass Kunden etwas vergessen“, sagt der Apotheker. Als die Apothekenangestellte am Nachbar-HV jedoch die Falithrom-Packung vermisste, wurde man hellhörig. Die andere Kundin wurde zwischenzeitlich mit einer zweiten Falithrom-Packung versorgt.

Das Problem: Die Veganerin war keine Stammkundin, weder Name noch Telefonnummer waren bekannt. Da die Apothekenmitarbeiterin wusste, dass sie von einem Arzt in die Apotheke geschickt worden war, telefonierte das Team die Praxen in der Nähe ab. Hilfreich seien die Videoaufnahmen gewesen, so Glaß. Der Apotheker hat zum Diebstahlschutz im HV Kameras installiert. Anhand der Aufnahmen konnte das Team sehen, dass die Kundin das Rx-Arzneimittel eingesteckt hatte.

Den Ärzten wurde ein Standbild zur Identifizierung der Patientin geschickt. Zwei Mediziner meldeten sich zurück. Daraufhin wurden zwei Frauen angerufen, doch die betroffene war nicht dabei. Anhand der Videoaufnahmen und der Abgabezeiten aus dem Automaten sei nachvollziehbar gewesen, dass die vegane Kundin das Rx-Arzneimittel eingesteckt hatte, so Glaß.

Am Donnerstag informierte der Apotheker die Behörde. „Wir sind alle fertig“, sagt Glaß. „So etwas darf nicht passieren. Wir sind aber froh, dass es uns zeitnah aufgefallen ist.“ Das LAGeSo will die Öffentlichkeit informieren, um die Frau zu finden. Sie soll zwischen 40 und 45 Jahre alt sein und war zur Mittagszeit in der Apotheke. „Die unbeabsichtigte Einnahme dieses Arzneimittels kann zu ernsthaften gesundheitlichen Schädigungen führen“, warnt die Behörde.

Bisher hat sich die Frau noch nicht in der Prenz’l-Apotheke gemeldet. Glaß hofft darauf, dass sie dennoch die Verwechslung bemerkt hat. „Veganer sind sehr kritisch und lesen die Packungshinweise eigentlich sehr sorgfältig durch.“ Der Apotheker hofft, dass sie sich bald melden wird. Die Einnahme von Falithrom führe dazu, dass das Blut etwa bei einem Schnitt nicht gerinne. „Man weiß natürlich nicht genau, welche Grunderkrankungen eventuell noch vorliegen“, so der Apotheker.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr aus Ressort
Ab Donnerstag als gebrauchsfertige Lösung bestellbar
Infectopharm bringt Glucosetoleranztest »
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
Kein Kalender: Kundin verklagt Apothekerin »

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
„Das Virus trifft auf Bevölkerung mit wenig Immunschutz.“
Corona-Experte: China braucht wirksamere Vakzine»
Mehr Antikörper durch bivalentes Vakzin?
Subtyp BQ.1.1: Die „Höllenhund“-Variante»
Plätzchen, Glühwein und Gänsebraten
Fettleber: Adventszeit als Herausforderung»
Kaiserschnitt beeinflusst Mikrobiom
Vaginale Geburt bietet Vorteil»
„So etwas habe ich noch nie erlebt“
1. Advent: Ansturm auf Apothekennotdienst»
Minderwertige Produkte ausgeliefert
Ramsch-Masken: Ermittlungen wieder aufgenommen»
„Pillen-Schock in der Apotheke“
Bild sammelt Lieferengpässe»
Ab Donnerstag als gebrauchsfertige Lösung bestellbar
Infectopharm bringt Glucosetoleranztest»
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
Kein Kalender: Kundin verklagt Apothekerin»
Apotheker kämpfen um Gärtnerei
Für PTA und PKA: Der Garten muss bleiben!»
„Aufgaben der PTA werden immer umfangreicher.“
PTA-Förderpreis: 18. Veranstaltung mit starker Resonanz»
Herzinfarkt, Schlaganfall & Nierenschäden
Diabetes als Risikofaktor»
B-Ausgabe November
90 Seconds of my life»
Kompetenter Begleiter für alle Leser:innen ab 60
my life Senioren»
Das Kindermagazin der my life Familie
Platsch»
Schwangere sind nicht automatisch befreit
Retaxgefahr: Zuzahlung in der Schwangerschaft»
Mehrkosten, Belieferung & Heilung
Retaxgefahr: BG-Rezept»