Inhaber rechnet vor

„1590 Euro mehr im Monat tun weh“

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Berlin -

Auf Apothekeninhaber:innen kommt mit der tariflichen Lohnsteigerung für pharmazeutische Angestellte nicht nur eine Mehrbelastung hinzu – auch der Unsicherheitsfaktor steigt. Zwar läuft das Geschäft vielerorts Corona-bedingt aktuell gut, doch Apotheker:innen fragen sich, wie sie die zusätzlichen Kosten dauerhaft stemmen sollen.

Das Tarifgehalt für Apothekenangestellte steigt rückwirkend zum Jahresanfang: Apotheker:innen und PTA bekommen 200 Euro mehr pro Monat, PKA ein Plus von 225 Euro. Im kommenden Jahr gibt es noch einmal 3 Prozent dazu. Hintergrund ist die geplante neue Mindestlohngrenze von 12 Euro – die den Druck auf die Löhne der pharmazeutischen Angestellten erhöhte. Was sich ändert und welche Berufsgruppe in welchem Berufsjahr ab sofort welchen Lohn bekommt, zeigt die Gehaltstabelle als Download. PKA liegen mit dem Anstieg von bis zu 12 Prozent aber weiterhin nur knapp über dem neuen Mindestlohn.

Viele Inhaber:innen unterstreichen deshalb, dass ihre Angestellten mehr Lohn verdienen, nur wissen sie nicht, wie sie die Mehrbelastung dauerhaft stemmen sollen.

Problem: Apothekenvergütung stagniert

Einer von ihnen ist Dr. Sven Schöne*. Der Inhaber war schockiert über die Anhebung der Tarifgehälter. Seinen Angestellten zahlt er bereits mehr Lohn als zwischen der Adexa und dem Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA) ausgehandelt. Mit der jetzigen Anhebung komme auf ihn eine monatliche Mehrbelastung von 1590 Euro zu – inklusive der Arbeitgeberkosten. „Das tut weh“, sagt er. Das Problem sei, dass die Arbeitgeber nicht mehr Geld bekämen oder mit einer Erhöhung rechnen könnten.

Schöne warnt davor, dass sich auch das Ergebnis einer sehr gut laufenden Apotheke – wie es sein Betrieb sei – mit den Standortfaktoren schnell ändern könne. 2018 erwirtschaftete er rund 180.000 Euro. Im darauffolgenden Jahr ging das Ergebnis auf rund 157.000 Euro zurück, weil eine Arztpraxis wegfiel. Mit Beginn der Pandemie und der neuen Aufgaben und Einnahmequellen für Apotheken zog der Gewinn wieder an. Gründe seien beispielsweise Hamsterkäufe, das „Maskengeld“ oder die Vergütung für die Ausstellung der Impfzertifikate. Für das abgelaufene Jahr erwartet er 240.000 Euro. Bereinigt um die coronabedingten Effekte dürfte es bei rund 160.000 Euro liegen, schätzt er.

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