Heroin „auf Rezept“

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Berlin - 2010 wurde Diamorphin, die Substanz hinter der Droge Heroin, im Abgabestatus geändert. Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Opioid verordnet werden. Die diamorphingestützte Substitutionsbehandlung beinhaltet die tägliche Spritze vom Arzt.

Rund 170.000 Menschen sind nach Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums Opioid abhängig. Im Jahr 2020 zählte das Substitutionsregister insgesamt 81.300 Menschen. Die Dunkelziffer aller Abhängigen liegt weitaus höher. Neben klassischen Entzügen und einer Therapie mit Methadon können einige Abhängige auch auf eine Therapie mit Diamorphin zurückgreifen. Die Therapie steht allerdings nicht jedem offen.

Zum einen steht die Therapie nur in Großstädten zu Verfügung, zum anderen können nur Schwerstkranke in das Programm aufgenommen werden. Als schwerstkrank werden Opioidabhängige eingestuft, wenn sie mindestens 23 Jahre alt sind und seit fünf Jahren konsumieren. Erste Erfahrungen mit Entzügen müssen gemacht worden sein. Neben stationären Entzügen muss auch eine Substitutionstherapie mit Methadon oder Buprenorphin ausprobiert worden sein. Erst wenn auch diese „Ersatzdrogen“ keinen Therapieerfolg geschaffen haben, kommt eine intravenöse Gabe von Diamorphin in Betracht.

Die Therapie verfolgt ein anderes Ziel als ein reiner Entzug. Am Ende soll der Betroffene nicht „clean“ sein. Vielmehr geht es um Resozialisierung. Durch die Sicherstellung des Bedarfs an Heroin entsteht kein finanzieller Druck. Ohne finanziellen Druck können Abhängige aus bestehender Beschaffungskriminalität entkommen. Gleichzeitig bietet das ärztliche Diamorphin eine Reinheit wie sie auf der Straße nie erlangt werden wird. Zahlreiche Nebenwirkungen durch Verunreinigungen bleiben aus. Eitrige Wunden, eine Sepsis oder durchstochene Venen können vermieden werden. Insbesondere für Frauen kann eine Diamorphintherapie auch ein Weg raus aus der Prostitution bedeuten.

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