Interview zur Kammerwahl in Hessen

Funke: Es geht nicht um Spahns Befindlichkeit Lothar Klein, 19.11.2019 11:29 Uhr

Berlin - Eine positive Bilanz ihrer ersten Amtszeit hat Hessens Kammerpräsidentin Ursula Funke gezogen. Die Kammer habe nicht nur ihre Öffentlichkeitsarbeit deutlich ausgebaut, sondern auch die Fortbildung und Zusammenarbeit mit den Ärzten intensiviert. Die Arbeit von ABDA-Präsident Friedemann Schmidt hält Funke für verbesserungsfähig. Fest hält die Kammerpräsidentin am Rx-Versandverbot. Die Verärgerung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) über die Unterstützung des Deutschen Apothekertages für die Rx-Versandverbot-Initiative des Bundesrates nimmt sie hin: Es gehe „nicht um persönliche Befindlichkeiten. Natürlich würde ich das daher wieder machen.“

ADHOC: Wenn sie auf Ihre erste Amtszeit zurückblicken: Was haben Sie als Kammerpräsidentin erreicht?
FUNKE: In diesen fünf Jahren hat sich in der Apothekerkammer Hessen ein richtig gutes Team herausgebildet. Vorstand und Geschäftsführung arbeiten sehr gut zusammen. Alleine kann man die Arbeit nie leisten. Wir ziehen in Hessen alle an einem Strang. Deswegen haben wir in Hessen sehr viel erreicht. Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht die pharmazeutische Zukunft des Apothekers – egal wo er arbeitet, in der öffentlichen Apotheke, in der Klinikapotheke, Hochschule oder der Industrie. Wir haben auf vielen Ebenen Akzente gesetzt: Wir haben die Öffentlichkeitsarbeit der Kammer wesentlich intensiviert mit einem monatlichen Newsletter. Zu besonderen Anlässen informiere ich die Kammermitglieder auch mit Sondernewslettern. Wir sind jetzt auf Facebook und Twitter aktiv geworden. Die Kammermitglieder können alle Delegiertenprotokolle im internem Internetbereich abrufen. Mir persönlich war es ganz wichtig, die Delegierten der Kammerversammlung ganz eng in die berufspolitischen Entwicklungen einzubinden. Das alles ist gut gelungen. Darüber hinaus haben wir auch in der Pharmazie einiges erreicht: Wir haben das Fortbildungsangebot stark erweitert und unter anderem die Webinare eingeführt.

ADHOC: Was geschieht dort?
FUNKE: Webinare sind unsere Fortbildungsprogramme im Internet. Wenn man an Hessen denkt, denkt man vor allem an die Ballungszentren Frankfurt, Kassel, Gießen und Darmstadt. Aber Hessen beheimatet viele ländliche Regionen. Dort ist es für die Kollegen nicht immer so einfach, sich nach der Arbeit in der Apotheke aufzuraffen, noch ins Auto zu setzen und bis zu zwei Stunden zu einer Fortbildungsveranstaltung zu fahren. Wir haben zudem die interprofessionellen Angebote sehr intensiviert. Zu Beginn meiner Amtszeit bin ich gleich auf die Ärzte in Hessen zugegangen. Daraus sind gemeinsame Fortbildungsangebote der Fortbildungsakademien der Apotheker und Ärzte entstanden. Das ist noch ein kleines Pflänzchen, aber es gedeiht wunderbar.

ADHOC: Wie wird das angenommen?
FUNKE: Die meisten Angebote werden pari pari von Ärzten und Apothekern besucht. Das zeigt uns, dass wir ein richtiges Angebot geschaffen haben. Wir tragen damit dazu bei, dass das Verhältnis und Verständnis Arzt/Apotheker besser wird. Ich denke, wir müssen dabei vor allem bei der jungen Generation ansetzen. Deswegen haben wir gemeinsame Workshops zwischen Pharmazeuten im Praktikum und Ärzten im Praktikum geschaffen, bei denen die angehenden Ärzte und Pharmazeuten tatsächlich pärchenweise zusammenarbeiten. Das machen wir gemeinsam mit dem Institut für Allgemeinmedizin in Frankfurt. Hier werden beide Heilberufe mit Patienten konfrontiert, deren Probleme Arzt und Apotheker gemeinsam angehen und lösen. Das wird super angenommen. Wir haben auch ein gemeinsames Seminar Allgemeinmedizin und Allgemeinpharmazie. Der nächste Schritt sind gegenseitige Besuche: Der Apotheker hospitiert in der Arztpraxis, der Arzt kommt in die Apotheke. Beide können so den Alltag des anderen besser kennenlernen. Und wir haben das Programm „Akkrediterte Ausbildungsapotheke” für die öffentliche Apotheke aktualisiert und für die Krankenhausapotheke als erste in Deutschland überhaupt geschaffen. Nach der theoretischen Ausbildung im Studium muss der angehende Apotheker rasch mit den Anforderungen im Alltag und der Umsetzung des Wissens in die Arbeit mit dem Patienten konfrontiert werden. Das ist extrem wichtig.

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