Kinderlähmung

Polio noch nicht besiegt: Sorge um Impfquoten dpa, 23.10.2018 09:19 Uhr

Berlin - Um 99 Prozent sind die Fallzahlen bei Kinderlähmung seit 1988 weltweit gesunken. Besteht damit in Ländern wie Deutschland kein Grund mehr zur Impfung?

Trotz weltweit gesunkener Fallzahlen von Kinderlähmung halten Experten die Gefahr neuer Polio-Infektionen in Deutschland nicht für gebannt. „Das Risiko einer Wiedereinschleppung ist vorhanden“, sagt Dr. Kathrin Keeren vom Robert-Koch-Institut (RKI) vor dem Welt-Polio-Tag am 24. Oktober. Gründe dafür sieht die Leiterin der Geschäftsstelle der Nationalen Kommission für die Polioeradikation in Deutschland in sinkenden Impfquoten bei Kindern sowie in der Migration aus Ländern mit Polio-Vorkommen.

„Wir müssen darauf achten, dass wir die Impfzahlen so hoch wie möglich halten können“, betonte Keeren. Die Impfquote bei der Schuleingangsuntersuchung lag 2016 nach den aktuellsten RKI-Daten bei 93,9 Prozent. „Wir sehen das schon mit Sorge“, sagte Keeren, „weiter nach unten sollte es wirklich nicht gehen, wir sollten eher wieder besser werden“. Zuvor habe der Wert jahrelang bei um die 95 Prozent gelegen. Diese Schwelle erachtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für nötig, damit die Bevölkerung gegen ein Wiedereinschleppen des Virus' gewappnet ist. Im Bundesland mit der niedrigsten Quote, Baden-Württemberg, sind aber zum Beispiel nur noch neun von zehn Kindern gegen Polio geimpft (90,6 Prozent).

Hat Kinderlähmung ihren Schrecken verloren? Dr. Hermann Josef Kahl, Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, sagte, er sehe bei Polio keine bröckelnde Impfbereitschaft. „Die Impfung ist eine Selbstverständlichkeit heutzutage.“ Lediglich in Einzelfällen müsse man Eltern die unheilbaren Folgen der Krankheit wie bleibende Lähmungen in Erinnerung rufen. Generell sei die Einstellung zur Polio-Impfung aber „ganz anders als bei Masern“, sagt Kahl.

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