Denkmalschutz

Ulm: Crowdfunding für Ex-Apotheke Tobias Lau, 21.08.2018 15:16 Uhr

Berlin - Muss eine Apotheke geschlossen werden, sieht es meist düster aus: Kommt keine neue Offizin hinein, wird das Inventar oft verkauft, ein anderes Geschäft füllt dann später die Räumlichkeiten. Anders sieht es bei der Apotheke am Zundeltor in Ulm aus: Sie steht unter Denkmalschutz. Eine neue Apotheke kommt jedoch nicht herein – stattdessen wollen Ende des Monats zwei junge Unternehmerinnen ein Café in ihr eröffnen. Dabei geht es jedoch nicht nur um Cappuccino und Bier, sondern auch um Zeitgeschichte.

„Die Apotheke am Zundeltor ist eines der letzten erhaltenen Kleinode aus den 50er-Jahren in unserer Region“, erklärt Cora Schönemann. Gemeinsam mit Peter Liptau steht sie hinter „The Gummibaum Project“, einem von der Stadt Ulm geförderten Kulturprojekt, das laut Selbstbeschreibung „topographische Orte gleich wie sozial-politische Räume der 1950er-Jahre wieder auf der Karte auftauchen“ lässt. Liptau bringt als studierter Architekturhistoriker die bauliche Fachkenntnis mit, Schönemann ist für die künstlerische Leitung verantwortlich.

„Tatsächlich war die Apotheke am Zundeltor so etwas wie die Initialzündung für unser Projekt“, erklärt Liptau. „Mein Steckenpferd ist die Architektur der Nachkriegszeit und die Urpsrungsidee war, an die Zundeltor-Apotheke heranzukommen, um eine Ausstellung darin zu machen.“ Anders als bei den meisten Orten ist für die Apotheke nämlich kaum Rekonstruktionsarbeit nötig. Denn die gesamte Inneneinrichtung der historischen Offizin ist originalgetreu erhalten.

Die Geschichte der Apotheke geht eigentlich zurück bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Bis zum Zweiten Weltkrieg residierte sie in einem repräsentativen Jugendstilbau, der jedoch die alliierten Bombenangriffe des Jahres 1944 nicht überstand. Nach dem Krieg wurde auf den Ruinen des Jugendstilbaus neu gebaut: Die damals moderne Architektur hielt Einzug ins Stadtbild. Das Gebäude galt „mit seinem modern überhängenden Dach und der revolutionären, halbrunden Architektur als eines der attraktivsten Gebäude Ulms“, wie die Schwäbische Zeitung schreibt.

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