Streeck verteidigt Cannabis-Regulierung

„Das rechtfertigt keine 1,7 Millionen Rezepte im Jahr“

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Berlin -

Mit einem Gesetzentwurf will die Bundesregierung die Online-Verschreibung und den Online-Versand von Medizinalcannabis verbieten. Doch das Vorhaben wackelt. Bei einem parlamentarischen Abend von Stada verteidigte der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Professor Dr. Hendrik Streeck (CDU), den Vorstoß: Es gehe nicht um das Pro und Kontra einer Legalisierungsdebatte, sondern um ärztliche Sorgfalt und Medikamentensicherheit. 

Mittlerweile gebe es mehr als 100.000 Patientinnen und Patienten, die von Medizinalcannabis profitierten. „Es bringt eine spürbare Verbesserung der Lebensqualität, und wir sehen auch in der sogenannten Care-Studie, dass sich die Symptomverläufe deutlich verbessern“, erklärte Frank Staud, Executive Vice President Global Communications & Government Affairs bei Stada. Binnen sechs Monaten habe man klare Verbesserungen und benötige weniger klassische Begleitmedikamente.

„Es gibt offene Fragen bei Cannabis: Wie gehen wir mit dem Online-Handel um? Natürlich ist das Online-Geschäft nicht wegzudenken, aber wir brauchen natürlich auch klare Regeln, damit es zu keinem Missbrauch kommt“, erklärte Staud. Man brauche Sicherheit, dass die Therapiehoheit weiterhin bei den Ärzten liege und es eine bedarfsgerechte Versorgung für Patientinnen und Patienten gebe.

Missbrauch verhindern

Bei Cannabis spreche man über etwas, „was sich gerade sehr kritisch entwickelt hat“, erklärte Streeck. Denn wenn man im Netz mit wenigen Klicks durch einen Fragebogen ein Rezept bekomme; wenn Sorten mit Namen wie „Black Cherry Punch“ existierten, statt dass Dosierung und Kontraindikation im Vordergrund stünden; wenn 15 Ärztinnen und Ärzte 1,7 Millionen Rezepte in einem Jahr ausstellten und der Import 2025 im Vergleich zu den Vorjahren massiv rund 200 Tonnen erhöht habe – „dann reden wir nicht über Therapie, dann reden wir über Missbrauch“.

Cannabis sei mehr als ein Medikament, da es auch ein unheimliches Abhängigkeitspotenzial erzeugen könne, so Streeck. Nicht ohne Grund sei vorgeschrieben, dass für Substanzen, bei denen ein Suchtpotenzial entstehen könne, bei einer telemedizinischen Erstverordnung der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt gegeben sein müsse.

Es gehe hier nicht um das Pro und Kontra einer Legalisierungsdebatte, es gehe auch nicht darum zu bewerten, ob der Schritt gut gewesen sei oder nicht. Es gehe um ärztliche Sorgfalt und Medikamentensicherheit. „Für mich geht es hierbei um evidenzbasierte Politik, und so sehe ich auch meine Arbeit hier als Drogen- und Suchtbeauftragter, dass ich rangehe mit der Frage der Evidenz: Wo findet Missbrauch statt und wo geht es wirklich um die Therapie von Patienten? Da muss man sich eben auch die Frage stellen: Was sind die Indikationen für Medizinalcannabis? Welche Darreichungsform zeigt eigentlich die beste Wirksamkeit? Welche Dosierung ist am wirksamsten?“

In einzelnen Bereichen sei die Evidenzlage solide, es gebe aber auch Bereiche, in denen sie grenzwertig oder nicht gegeben sei. Streeck stellte auch klar, dass Medizinalcannabis durchaus seinen Platz in der Therapie bei Schmerzpatienten habe.

„Wir reden hier wirklich über schwerstkranke Patienten. Das rechtfertigt keine 1,7 Millionen Rezepte im Jahr.“ Und gerade in der Schmerzmedizin sei dieser persönliche Kontakt so wichtig. Es brauche ein strukturiertes Gesamtkonzept, eine sorgfältige Diagnostik und regelmäßige Überprüfungen. „Es geht um die Qualität der Versorgung und es geht darum, auch Verantwortung zu übernehmen.“

Zur Realität gehöre aber auch, dass rund fünf Millionen Erwachsene in Deutschland Cannabis konsumierten. Das sei eine Realität, die man auch in der Politik sehen müsse. „Wir dürfen mit diesen Menschen in meinen Augen nicht leichtfertig umgehen und zwischen Legalität und Illegalität spielen. Wir brauchen klare, nachvollziehbare Regeln. Wir brauchen ein staatliches Handeln, das konsistent ist, das keine Widersprüche erlaubt“, erklärt er. Leider weise die vorherige Teillegalisierung viele Widersprüche auf, daher müsse man nachjustieren.

„Wir müssen auch ganz klare Kante zeigen und sagen: Hier muss dieser Missbrauch gestoppt werden“, betonte er. Aber es brauche auch Wege für Konsumcannabis, ohne dass man in die Illegalität gehen müsse. „Über geregelte und überdachte Abgaberegeln, etwa im Rahmen von Pilotprojekten mit verbindlicher Beratung und ganz klarer Dokumentation“, betonte er.

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