Bloomwell-Umfrage

Cannabis-Patienten vertrauen Apotheken

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Berlin -

Cannabis-Patient:innen vertrauen vor allem Apotheken als Bezugsquelle. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Befragung unter rund 7000 Medizinalcannabis-Patient:innen der Plattform Bloomwell, die sowohl Erfahrungen auf dem illegalen als auch auf dem legalen Markt gemacht haben. Fast 97 Prozent der Befragten berichteten demnach, dass Medizinalcannabis aus der Apotheke eine bessere Qualität habe als Cannabis vom illegalen Markt. Auch weed.de warnt wegen des Spargesetzes vor einer Abwanderung in den Schwarzmarkt.

Etwa neun von zehn der insgesamt 7913 Befragten haben laut Bloomwell bereits Erfahrung mit dem illegalen Markt. Unter den 7062 Patient:innen, die sowohl Erfahrung mit Medizinalcannabis aus der Apotheke als auch vom illegalen Markt haben, habe sich in der Analyse eine klare Präferenz für Medizinalcannabis aus der Apotheke gezeigt.

Demnach berichteten 96,7 Prozent, dass Medizinalcannabis aus der Apotheke „sauberer und reiner“ sei als Cannabis vom illegalen Markt. Ganze 98,2 Prozent erklärten, beim Bezug über ein gültiges Rezept in einer deutschen Apotheke besser informiert und beraten zu werden, als auf dem illegalen Markt. Auch hinsichtlich des Preises schnitten Apotheken demnach besser ab: So gaben 94,4 Prozent an, dass Medizinalcannabis aus der Apotheke für sie günstiger sei als Cannabis in schlechterer Qualität auf dem illegalen Markt.

Trend ungebrochen: Auch im dritten Quartal 2026 steigt die Menge an von Apotheken abgegebenen medizinischen Cannabis weiter an. Grafik: Bloomwell

Legaler Markt wächst

Laut Bloomwell nimmt die Zahl der Menschen, die aus illegalen Strukturen in die legale ärztliche Verordnung wechseln, in Deutschland weiter zu. Im dritten Quartal 2026 seien die über Bloomwell von deutschen Apotheken an Patient:innen abgegebenen Mengen im Vergleich zum vorherigen Quartal um weitere 50 Prozent gewachsen. Gleichzeitig sei der Preis weiter auf im Schnitt 3,77 Euro je Gramm medizinischer Cannabisblüten gefallen.

Laut einer älteren Umfrage aus dem Sommer 2025 hatten rund 41 Prozent der Befragten erklärt, dass sie wieder auf illegale Bezugsquellen zurückgreifen würden, wenn die Telemedizin beschränkt würde, statt eine andere Therapieoption in Erwägung zu ziehen. „Entgegen der Präferenz der Betroffenen für den ärztlich betreuten legalen Zugang über spezialisierte Plattformen droht bei der aktuell diskutierten Verschärfung des Medizinalcannabis-Gesetzes in erster Linie eine Stärkung illegaler Bezugswege“, so Bloomwell.

Preise fallen weiter: Im Schnitt ist der durchschnittliche Preis je Gramm medizinisches Cannabis im dritten Quartal 2026 auf 3,77 Euro gefallen. Grafik: Bloomwell

Stress beim illegalen Erwerb

Nicht nur in Bezug auf die Qualität schneidet der illegale Markt in der Befragung schlechter ab, er verursacht demnach auch mehr Stress bei den Patient:innen. Auf einer Skala von eins (kein Stress) bis zehn (sehr viel Stress) hätten die Befragten den illegalen Erwerb von Cannabis durchschnittlich mit 8,1, den Bezug von ärztlich verordnetem Medizinalcannabis aus der Apotheke dagegen durchschnittlich mit 1,8 bewertet. Damit sorge der illegale Markt für etwa 4,5-mal so viel Stress wie das Einlösen eines digitalen Rezeptes in einer Apotheke.

„Der illegale Markt macht krank. Anders lassen sich die Ergebnisse unserer Umfrage kaum interpretieren“, erklärt Dr. Julian Wichmann, Mitgründer und Geschäftsführer von Bloomwell. „Stress, Verunreinigungen und eine permanente, unterschwellige Sorge belasten die Betroffenen erheblich. Diese psychischen und gesundheitlichen Folgen einer erneuten Kriminalisierung kommen in der öffentlichen Debatte viel zu kurz.“

Stattdessen drehe sich die Debatte vor allem um einen nicht belegten Missbrauch. „Tatsächlich hat sich die große Akzeptanz der digitalisierten Cannabis-Therapie mit Blick auf die gesundheitlichen Konsequenzen sehr positiv ausgewirkt – allein durch eine Reduktion der Risiken der illegalen Selbstmedikation. Diese Transformation bedeutet daher mehr, nicht weniger Gesundheitsschutz“, so Wichmann weiter.

Für die Umfrage hat Bloomwell nach eigenen Angaben im September 2026 nicht-repräsentativ 7913 Medizinalcannabis-Patient:innen anonym online befragt und anonymisierte Datensätze von Cannabis-Patient:innen im sechsstelligen Bereich und Verordnungen im siebenstelligen Bereich ausgewertet.

weed.de warnt vor Selbstmedikation

Auch weed.de warnt vor einer Abwanderung in den Schwarzmarkt. Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) ist auch das Aus für die Kassenerstattung von Cannabisblüten beschlossen worden. Von der Gesetzesänderung seien zehntausende schwer kranke Versicherte betroffen. Wer weder auf andere erstattungsfähige Präparate umsteigen noch selbst zahlen könne, dem drohe nun der Rückfall in die Selbstmedikation, warnt die Plattform.

Eine im Juli in Psychological Medicine veröffentlichte britische Studie zeige das Ausmaß von Selbstmedikation dort: Demnach hätten von 4415 Befragten, die im Vorjahr Cannabis konsumiert hatten, knapp 36 Prozent es aus medizinischen Gründen ohne Rezept und 13 Prozent mit ärztlicher Verschreibung genutzt.

Auch für Deutschland gebe es Hinweise: Im repräsentativen Epidemiologischen Suchtsurvey 2024 gaben demnach 58 Prozent der regelmäßig Konsumierenden an, Cannabis zur Verbesserung des Schlafs zu nutzen, 32 Prozent zur Bewältigung von Depression oder Angst. Ärztlich begleitet sei das aber selten: Laut der DEBRA-Studie haben nur 16 Prozent der Konsumierenden je mit ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt darüber gesprochen. Doch ob eine Behandlung mit Cannabis angezeigt sei, könne nur eine ärztliche Untersuchung klären. Außerdem würden Patientinnen und Patienten, die sich selbst behandelten, mögliche Wechselwirkungen und Nebenwirkungen nicht kennen.

Statt pauschaler Hürden, die vor allem Kranke treffen, brauche es eine kluge Regulierung, die den ärztlich begleiteten Zugang sichert. Dazu gehöre auch, Erwachsenen, die Cannabis für nichtmedizinische Zwecke nutzen, legale Alternativen zu eröffnen.

„Dass Teile des Spargesetzes schon nach elf Wochen zurückgenommen werden sollen, zeigt, wie voreilig hier entschieden wurde. Patientinnen und Patienten brauchen einen verlässlichen Zugang zur Behandlung. Für Erwachsene ohne medizinischen Bedarf braucht es legale Angebote mit kontrollierter Qualität und guter Aufklärung. Das senkt Risiken, auch im Zusammenhang mit Selbstmedikation“, sagt Richard Cowan, Co-Founder und CEO von weed.de.

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