Seit 26 Jahren ist Marcus Arndt als Apotheker selbstständig. Zuletzt führte er vier Apotheken, davon eine als Pächter. Dieser Betrieb wurde ihm zum Verhängnis – er musste zum Jahresende Insolvenz anmelden. „Die Pachtapotheke läuft seit Jahren defizitär“, sagt er. Mittlerweile ist der Standort geschlossen und der 58-Jährige fokussiert sich auf seine drei verbliebenen Apotheken.
Arndt übernahm die Valentin-Apotheke in Eppertshausen 2009 als Pächter. „In den ersten Jahren ist der Betrieb prima gelaufen“, sagt er. Doch schnell stellte sich heraus, dass der Standort unter anderem aufgrund seiner Lage nicht genug Ertrag abwarf – in der Nähe ist kein Nahversorger und keine Arztpraxis. Diese Lage der Apotheke und die wirtschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre wie die Kostenanstiege bei Personal und Energie hätten den Betrieb des Standorts nicht einfacher gemacht.
Dazu sei der vergleichsweise hohe Pachtzins gekommen, der seit fast 17 Jahren nicht angepasst worden sei, sagt Arndt. „Mit dem Ertrag der Apotheke konnte man schon lange keine zwei Familien mehr ernähren. Ich habe die Verpächterin jedes Jahr über die aktuellen Zahlen informiert.“ Doch man habe sich nicht auf die Anpassung der Mindestpacht einigen können. „Die Apotheke wurde durch die drei anderen Apotheken aufgefangen und quersubventioniert.“
Doch angesichts der angespannten finanziellen Lage spitzte sich die Situation zuletzt zu – unter anderem auch wegen des Wegfalls der Skonto-Vereinbarungen, was bis heute nicht kompensiert werden konnte. „Dadurch sank der Rohertrag in den Apotheken um 3 Prozentpunkte“, so Arndt. Der Apotheker beantragte im November die Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung, Ende Januar wurde das Verfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Betreut wird er von Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht Marco Dohmen, der ihn als Schuldnervertreter bei allen Fragen zur Insolvenz unterstützt.
Zuletzt seien verschiedene Faktoren zusammengekommen, sagt Dohmen. Beim Standort in Obertshausen etwa habe eine zehn Monate dauernde Baustelle für einen Umsatzeinbruch gesorgt. „Damit hat die Quersubventionierung nicht mehr funktioniert.“ Vor 15 Jahren seien Pachtapotheken noch anders zu beurteilen gewesen, sagt er. „Aber heutzutage sind viele Apotheken leider nur noch schwer zu verkaufen, geschweige denn zu verpachten.“
Arndt rutschte in die Zahlungsunfähigkeit, konnte aber mit Dohmen dafür sorgen, dass er weiterhin Ware von Großhändlern bekam. Die Arzneimittelversorgung in den drei verbliebenen Apotheken konnte sichergestellt werden. „Wir sind betriebswirtschaftlich rangegangen und haben zunächst versucht, alle Apotheken weiterzubetreiben, mussten uns aber von dem einem Standort trennen. Im Verbund funktionierte die Pacht- als Filialapotheke nicht mit den hohen Personalkosten durch einen Filialleiter. Als einzelne Apotheke kann das durchaus anders sein“, sagt der Jurist und Steuerberater. „Bei dieser Pachthöhe ist sie aber als Filialapotheke nicht wirtschaftlich zu betreiben gewesen.“
Für Arndt war dies keine leichte Entscheidung. „Ich bin froh, dass wir alle Mitarbeiter in die anderen Betriebe eingliedern konnten“, sagt er. Dennoch nagt die Schließung an ihm. „Es ist noch eine große Belastung, die noch schwelt. Aber ich bin schon immer ein Kämpfer gewesen“, betont er. „Es ist jedoch schwer gegen Windmühlen zu kämpfen, wenn dann noch politische Versprechen nicht gehalten werden oder man uns das Skonto wegnimmt, wird es noch schwieriger.“
Mit seinen drei Apotheken in Obertshausen, Groß-Bieberau, Eisenbach und insgesamt 26 Angestellten fühlt er sich jetzt gut aufgestellt. Das Verfahren wird voraussichtlich in einem Jahr beendet sein, so Dohmen. „Die restlichen Apotheken erwirtschaften Erträge, um einen Insolvenzplan in Abstimmung mit dem Großhandel und den sonstigen Gläubigern zu finanzieren.“
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