Kleine Betriebe betroffen

Immer mehr insolvente Apotheken

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Berlin -

Die Zahl der Apotheken in wirtschaftlicher Schieflage nimmt zu. 2025 wurde die höchste Zahl an Pleiten seit 2008 erreicht. Das geht aus Zahlen von CRIF Deutschland, einem Informationsdienstleister für Bonitätsprüfungen, hervor. Betroffen seien besonders Einzelapotheken mit Umsätzen zwischen 1,5 bis 3,5 Millionen Euro, sagt Dr. Florian Linkert, Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht.

Die Zahl der Apothekeninsolvenzen hat im Jahr 2025 mit 44 Fällen den höchsten Stand seit 2008 erreicht. „Nach einer langen Phase weitgehend stabiler oder rückläufiger Werte zeigen sich seit 2023 deutliche Veränderungen.“ Auf 19 Insolvenzen im Jahr 2023 folgten 40 Fälle in 2024. Diese Entwicklung weise auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen hin, die unter anderem durch steigende Personal-, Energie-, Miet- und Bürokratiekosten sowie durch eine seit Jahren ausbleibende Honoraranpassung und Herausforderungen bei der Personalgewinnung beeinflusst würden.

Apothekenzahl sinkt

„Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, wird die Zahl der Apotheken wahrscheinlich weiter rückläufig sein“, sagt Linkert. „Ich gehe davon aus, dass eine ‚Konsolidierung‘ im Apothekenmarkt die Folge sein wird, das heißt weniger Einzelapotheken, mehr Filialapotheken und in Summe insgesamt weniger Apotheken im Markt.“ Das aktuelle Umfeld mache es zunehmend schwieriger, Apotheken wirtschaftlich zu betreiben. Deshalb werde die Zahl der Apotheken eher weiter abnehmen.

Der Jurist erwartet eine weitere Konsolidierung – abhängig von der konkreten Ausgestaltung der derzeit im Regierungsentwurf vorliegenden Apothekenreform. „Das Apothekenhonorar für verschreibungspflichtige Medikamente ist für viele Apothekenbetriebe unter diesen Umständen nicht mehr auskömmlich.“

Hinzu komme, dass die Apotheken häufig noch nicht vollständig abbezahlt seien. Die Gewinnmarge, die sich meist im unteren einstelligen Prozentbereich bewege, müsse nicht nur das Auskommen der Apothekerin oder des Apothekers darstellen, sondern davon müssten Darlehen abbezahlt werden. „In dem Zusammenhang ist auch zu berücksichtigen, dass aufgrund gestiegener Zinsen der Kapitaldienst für Darlehen, die vor zehn bis 15 Jahren aufgenommen wurden, deutlich teurer geworden ist, was eine zusätzliche Mehrbelastung darstellt. Häufig sind es mehrere Faktoren, die im Ergebnis mitursächlich sind.“

Hessens Apotheken besonders gefährdet

CRIF Deutschland analysiert auch die Entwicklung der Insolvenzgefährdung bei Apotheken: Im vergangenen Jahr galten bundesweit 246 Apotheken als gefährdet, 2026 stieg dieser Wert auf 277 Betriebe – ein Zuwachs von 12,6 Prozent. Besonders deutlich zeige sich diese Entwicklung in mehreren Bundesländern: In Hessen nahm die Zahl gefährdeter Apotheken um knapp 47 Prozent zu, in Nordrhein-Westfalen um knapp 31 Prozent, in Baden-Württemberg um knapp 27 Prozent, in Thüringen um 22 Prozent und in Berlin um 20 Prozent.

Gleichzeitig gebe es Regionen mit rückläufigen Werten: In Hamburg sank die Zahl gefährdeter Apotheken um 57 Prozent, in Schleswig-Holstein um etwa 38 Prozent, in Bremen um 25 Prozent, in Sachsen-Anhalt um 14 Prozent und in Sachsen um 8 Prozent. „Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft bleibt die Branche dennoch stabiler.“ Während deutschlandweit 322.470 Unternehmen als insolvenzgefährdet gelten, was einem Anteil von 10,3 Prozent aller Firmen entspricht, fällt der Anteil insolvenzgefährdeter Apotheken mit 1,7 Prozent deutlich geringer aus. „Doch auch wenn Apotheken im Vergleich stabiler dastehen, dürfen die steigenden Kosten und die fehlende Honoraranpassung nicht unterschätzt werden: Sie setzen der Branche zunehmend sichtbar zu“, sagt Deutschlandchef Dr. Frank Schlein.

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