Die drohende Zahlungsunfähigkeit kam schleichend – anfangs gänzlich unerkannt. Vanessa Schulze ist seit fünf Jahren selbstständig und führte zwischenzeitlich drei Apotheken. Die Übernahme von zwei Filialen entpuppte sich rückblickend als Fehler, zu hoch wurden die Personalkosten. Als die Insolvenz offensichtlich war, sei eine Welt zusammengebrochen, sagt die 41-jährige Apothekerin. Doch es geht aufwärts: Mit der erfolgreichen Sanierung schwinden ihre Ängste, wegen der Pleite für Jahre stigmatisiert zu sein.
Schulze übernahm vor fünf Jahren die Lohbach-Apotheke in Dortmund. Das Geschäft lief. Als sie hörte, dass in Hamm zwei Apotheken zum Verkauf standen, zögerte sie nicht lange und übernahm vor zweieinhalb Jahren zwei Filialen. „Auf einen Schlag drei Apotheken zu führen, ist viel Arbeit und gleich viel mehr Aufwand – mehr als ich gedacht hätte.“
Zu Beginn seien die Zahlen „nicht schlecht“ gewesen. „Das ist kurios, der Umsatz war immer gut, aber die Kosten haben mich aufgefressen“, sagt sie. Vor allem die Personalkosten seien „extremst hoch“ gewesen – der teuerste Posten auf der Liste. An eine bevorstehende Insolvenz dachte Schulze damals noch nicht, auch nicht, als sie sich im November 2024 entschied, eine der beiden Filialen zu schließen. „Ich musste einen Teil des Personals entlassen.“
Dennoch blieb nicht genug Geld übrig. „Es ist verheerend, man zahlt als Apotheke so viele kleinere Beträge für Mitgliedschaften, Software, das ist nicht so präsent.“ Dazu sei mit dem Skonto-Urteil noch mehr Gewinn weggefallen. Sie versuchte mit dem Angebot an pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) zu punkten. „Das kann es aber nicht rausreißen, denn auch dafür braucht man Personal und Software. Wir haben dafür Gelder bekommen, das war aber nicht der Rede wert.“
Langsam wurde es ernst. „Ich habe gehofft, das noch drehen zu können“, sagt sie. Sie investierte in Heimversorgung und belieferte drei Pflegeeinrichtungen, für zwei verblisterte sie. „Ich wollte meine Version von Apotheke vor Ort durchbringen.“ Aber die Heime seien auch nicht bereit, viel zu zahlen. Die Kosten für das Personal seien hoch geblieben und die Anforderungen für den Service ebenfalls.
Manchmal habe es von einem Heim innerhalb eines Tages eine vierfache Änderung für einen Bewohnenden gegeben, sagt Schulze. „Die Kontrolle ist so wichtig und zeitintensiv.“ Denn die Apotheke müsse auch die die Verordnungen der Ärztinnen und Ärzte prüfen. Die finanzielle Schieflage war nicht mehr aufzuhalten. Im August 2025 habe die Bank angekündigt, dass „Feierabend“ sei – harte Worte für Schulze. „Für mich ist eine Welt zusammengebrochen.“
Berater empfahlen, weiter Personal zu entlassen. „Das war mit das Schlimmste, was ich jemals machen musste. Sieben Angestellte mussten gehen.“ Wichtig ist ihr zu betonen, dass sie ihre Mitarbeitende immer pünktlich bezahlt habe. Doch auch der Großhandel wurde unruhig, irgendwann konnte sie die Rechnung nicht mehr begleichen. Die Insolvenz läuft offiziell seit Ende 2025. „Ich konnte das Ruder nicht mehr rumreißen.“
Die Belieferung wurde ihr – anders als mancher Kollegin oder manchem Kollegen – nicht gesperrt. Dank der Zugehörigkeit zur Kooperation „Starke Apotheken“ hätten die Lieferanten auf die bestehende „gute Partnerschaft“ vertraut und wollten weiter liefern. „Ich bekam weiter Arzneimittel, so blieb niemand unversorgt.“ Natürlich sei das Bestellverhalten zwischendurch eingeschränkt gewesen.
Zum 1. Februar fand sie einen Käufer für die verbliebene Filiale. „Es freut mich sehr, dass der Standort erhalten bleibt und die Mitarbeiter in gute Hände kommen.“ Sie selbst führt ihre Lohbach-Apotheke ein Eigenverwaltung weiter. Dankbar ist Schulze über die Unterstützung ihrer Berater und durch ihr Team. „Ohne sie wüsste ich nicht, wie es weitergehen würde.“ Die Berater hätten auch die Angestellten informiert und Fragen beantwortet.
Rückblickend sieht Schulze die Probleme, die zur Insolvenz führten, klarer: „Meine Filialen haben mich in die Abwärtsspirale gerissen.“ Wichtig sei, Hilfe anzunehmen. „Mir war nicht bewusst, dass ich wahrscheinlich schon dieses Jahr aus der Insolvenz draußen bin. Ich dachte, ich bin die nächsten Jahre davon gezeichnet.“ Denn mit der Möglichkeit einer Restschuldbefreiung könne sie weiter an ihrer Version der Apotheke vor Ort arbeiten.
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