Übergebrauch von Schmerzmitteln – Das sagt die Leitlinie | APOTHEKE ADHOC
Multimodaler Ansatz

Übergebrauch von Schmerzmitteln – Das sagt die Leitlinie

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Berlin -

Bis zu 1 Prozent der Bürger:innen nehmen zu häufig Kopfschmerztabletten ein. Dieser Übergebrauch von Analgetika (Medication Overuse Headache, MOH) kann weitreichende Folgen haben. Zum einen kann es zum Teufelskreis des Analgetika-induzierten Kopfschmerzes kommen, zum anderen schadet die häufige Tabletteneinnahme dem Körper. Die zugehörige S1-leitlinie wurde überarbeitet und bezieht erstmals einen multimodalen Ansatz mit ein.

Die überarbeitete Leitlinie hat als primäres Ziel die Aufklärung. Den Betroffenen muss erläutert werden, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der häufigen Einnahme von symptomatischer Kopfschmerzmedikation und der Chronifizierung der Kopfschmerzen gibt. Von diesem Teufelskreis des Analgetika-induzierten Kopfschmerzes wissen immer noch zu wenig Menschen.

Zum Übergebrauch von Schmerzmitteln kann es bei allen Menschen kommen. Jedoch scheinen einige Personengruppen besonders gefährdet. Folgende Punkte gelten als Risikofaktoren:

  • Vorbestehende primäre Kopfschmerzen (Migräne oder Spannungskopfschmerz)
  • Weibliches Geschlecht
  • über zehn Kopfschmerztage pro Monat
  • Niedriger sozialer Status
  • Andere chronische Schmerzerkrankungen
  • Stress
  • Körperliche Inaktivität
  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Abhängiges Verhalten
  • Psychiatrische Erkrankungen (Depression oder Angststörung)

Besonders wichtig ist das Aufzeigen von Alternativen. Wer bei einem Migräneanfall zu oft zu Ibuprofen, ASS und Paracetamol greift, der profitiert vielleicht von einer Prophylaxe mit Antikörpern, Topiramat und Onabotulinumtoxin A. Personen mit Spannungskopfschmerzen könnten von einer Prophylaxe mit Amitriptylin profitieren. Neben der Neueinstellung sollen auch nichtmedikamentöse Behandlungen erfolgen. Patient:innen, die Opiode im Übergebrauch anwenden soll das Ausschleichen im besten Fall stationär erfolgen.

Übrigens: Die gesellschaftlichen Kosten bei der Behandlung des MOH liegen laut Einschätzung der Leitlinien-Autor:innen dreimal höher als die bei der Behandlung der episodischen Migräne. Von einem MOH spricht man, wenn an mehr als 15 Tagen im Monat Schmerzmittel eingenommen werden. Bei der Einnahme von Triptanen ist die Grenze bei 10 Tagen.

Was kann die Apotheke raten

Apotheker:innen und PTA können Risikopersonen im Beratungsgespräch identifizieren. Häufig sind es Kund:innen die wiederholt Ibuprofen 400 kaufen. Die gezielte Ansprache dieser Kund:innen kann einen Übergebrauch von Analgetika aufdecken. Durch die Beratung und einen Verweis an einen Kopfschmerzspezialisten kann eine Chronifizierung verhindert werden. Bewegung kann Migräne lindern. Der positive Effekt von Ausdauersport konnte sogar in Studien belegt werden. Wer zweimal die Woche für 30 Minuten joggen geht, der kann den Einsatz von NSAID und Triptanen senken. Für die monoklonalen Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor Erenumab, Galcanezumab, Fremanezumab und Eptinezumab konnte eine prophylaktische Wirkung trotz fortbestehendem Medikamentenübergebrauch gezeigt werden. Apotheker:innen und PTA können über diese Behandlungalternative informieren und zum Arzt/zur Ärztin verweisen. Und: Studien konnten zeigen, dass die Aufklärung Wirkung zeigt. Betroffene, die über die Risiken aufgeklärt werden zeigen ein verändertes und reduziertes Einnahmeverhalten.

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