Über- & Unterfunktion sehr häufig

Schilddrüse: Das Gaspedal des Körpers

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Berlin -

Obwohl die Schilddrüse sehr klein ist, nimmt sie großen Einfluss auf den gesamten Organismus des Menschen. Als Hormondrüse produziert sie wichtige Hormone, die zahlreiche Stoffwechselprozesse regulieren. Kommt es zu einem Ungleichgewicht, können Erkrankungen der Schilddrüse wie eine Über- oder Unterfunktion, sowie Knoten oder Vergrößerungen entstehen.

Schilddrüsenerkrankungen sind nicht selten. Nahezu jeder dritte Mensch leidet unter einer Störung des Organs. Die Schilddrüse ist schmetterlingsförmig und befindet sich unterhalb des Kehlkopfes. Zu den Hauptaufgaben gehört die Produktion von Trijodthyroxin (T3) und Thyroxin (T4). Die Ausschüttung wird durch das sogenannte Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH) gesteuert, welches in der Hirnanhangsdrüse gebildet wird.

Schilddrüse als „Gaspedal des Körpers“

Häufig wird für die Schilddrüsenhormone das Gaspedal als Metapher herangezogen:

  • Ist ein Überschuss vorhanden, kommt es zur Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) – der Körper arbeitet „übertourig“.
    • Es kommt zu Symptomen wie erhöhtem Puls, Herzklopfen, Zittern, innerer Unruhe, Schlafstörungen, Durchfall, Gewichtsabnahme und vermehrtem Schwitzen.
  • Sind zu wenig Schilddrüsenhormone im Blut, entsteht eine Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) – der Körper arbeitet dementsprechend „untertourig“.
    • Es kommt zu Symptomen wie trockener Haut, Gewichtszunahme, Müdigkeit, Verstopfung und Depressionen.

Wie funktioniert die Schilddrüse?

Für die Bildung der Hormone wird die Aminosäure Tyrosin benötigt. An sie werden dann drei beziehungsweise vier Jod-Atome gebunden. Das Verhältnis von T4 zu T3 liegt bei einer gesunden Schilddrüse bei etwa 10 zu 1. Durch die Abspaltung eines Jod-Atoms kann im Körper aus dem weniger wirksamen, aber dafür langlebigeren T4 das kurzlebigere, aber wirkungsstärkere T3 gebildet werden.

Für die Funktion der Schilddrüse ist Jod daher essenziell. Der menschliche Körper kann Jod nicht selbst produzieren und nur begrenzt speichern. Deshalb ist es wichtig, das Spurenelement regelmäßig über die Nahrung zuzuführen. Denn ohne Jod werden keine Schilddrüsenhormone produziert – diese sind essenziell für verschiedenste Stoffwechselprozesse und Funktionen im Körper.

Die Schilddrüse ist zudem das selenreichste Organ im menschlichen Körper – denn die Hormondrüse benötigt Selen für die Entgiftung des toxischen Wasserstoffperoxids, das bei der Produktion der Schilddrüsenhormone entsteht. Außerdem wird Selen zur Aktivierung von T4 in T3 benötigt. Positiv kann sich die Gabe von Selen beim Hashimoto-Syndrom auswirken. Jedoch sollten Schilddrüsenpatient:innen zunächst Rücksprache mit dem Arzt/ der Ärztin halten, bevor ein Supplement eingenommen wird.

L-Thyroxin-Einnahme: Was ist zu beachten?

Der häufigste Wirkstoff, der bei Erkrankungen Schilddrüse zum Einsatz kommt, ist Levothyroxin (L-Thyroxin). Das Einsatzgebiet umfasst folgende Indikationen:

  • Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose)
  • Behandlung eines Kropfes (Struma)
  • Vorbeugung eines Kropfes nach Operationen an der Schilddrüse
  • Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) in Kombination mit Thyreostatika

Die passende Dosis muss individuell ermittelt werden. Dazu wird die Dosis in kleinen Schritten angehoben und in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Manchmal dauert es Monate, bis die richtige Dosis gefunden ist. Und auch danach muss durch regelmäßige Blutkontrollen geprüft werden, ob die Dosis optimal ist oder erneut angepasst werden muss.

Denn L-Thyroxin besitzt eine geringe therapeutische Breite: Das bedeutet, die Substanz kann leicht über- oder unterdosiert werden. Deshalb befinden sich Schilddrüsenpräparate auf der Substitutionsausschlussliste: Das bedeutet, der Arzt/die Ärztin verordnet immer den gleichen Hersteller. Das Präparat darf in der Apotheke nicht ausgetauscht werden.

Levothyroxin wird einmal täglich eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit Leitungswasser eingenommen. Mineralwasser ist nicht geeignet, da es häufig große Mengen an Calcium enthält. Daher sollte die Tablette ebenfalls nicht mit Milchprodukten eingenommen werden. Ein zeitlicher Abstand ist wichtig. Denn das Hormon kann mit den polyvalenten Kationen wie Calcium, Eisen und Aluminium interagieren – wie diese Wechselwirkung zustande kommt, ist bislang nicht genau geklärt.

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