In der Marien-Apotheke in Vilsbiburg bei Landshut ist Helga Schick eine der dienstältesten PTA. Seit mehr als 40 Jahren ist sie im Beruf. Die Chefvertretung würde sie sich sofort zutrauen – PTA sollten mit der Apothekenreform eine Vertretungsmöglichkeit erhalten, allerdings unter gewissen Voraussetzungen und für bestimmte Zeiten. Dass Betriebe ganz ohne Apotheker geführt würden, wäre jedoch falsch, betont die 60-Jährige.
In drei Jahren will Schick in Rente gehen, dann wäre sie 23 Jahre in der Marien-Apotheke. Eine Karriere als Vertretungs-PTA kommt für sie nicht mehr in Frage. „Ich würde es mir zutrauen, weil ich so viel Berufserfahrung habe“, sagt sie. Allerdings wäre es unfair ihrer Chefin und dem Chef gegenüber, sich die Fortbildung finanzieren zu lassen, nur um dann nach kurzer Zeit in den Ruhestand zu gehen. „Vor zehn, zwölf Jahren, hätte ich gesagt, ich mache das jederzeit“, sagt sie.
Die PTA-Vertretung ist weiter im Gespräch, das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hält daran auf Probe und auf dem Land fest. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels – gerade in ländlichen Regionen – sei die praktische Erprobung einer befristeten Vertretung einer Apothekenleitung durch PTA notwendig. Diese Einschätzung teilt auch Schick.
Zur Möglichkeit einer PTA-Vertretung hat sie eine klare Meinung: Sie dürften nicht wochenweise sein, sagt sie. „Eine Apotheke Light ohne einen Apotheker ist ein No-Go.“ Aber die Möglichkeit, dass PTA einmal einen Nacht- oder Notdienst, einen Nachmittag oder ein paar Stunden einsprängen, sei durchaus realistisch. Voraussetzungen seien eine Berufserfahrung von mindestens zehn Jahren und entsprechende Weiterbildungen – diese hat das BMG aber wegen der Erprobung komplett gestrichen.
Allerdings dürften diese Kurse nicht zentriert in wenigen Städten stattfinden. Das würde die Hürde für viele Angestellte wegen den Reisekosten erhöhen. Stattdessen sollten sie auch digital angeboten werden. Dazu müsse jedoch eine Lohnanpassung für die neue Verantwortung für PTA kommen. Dies könne die Attraktivität des Berufs erhöhen, sagt Schick.
Vorstellbar wäre etwa ein fester Nachmittag unter der Woche, in der die Chefin oder der Chef nur über das Telefon erreichbar und nicht selbst vor Ort in der Apotheke sei. Zudem müsse mit der Apothekerkammer geklärt sein, dass eine kurzfristige Vertretung für eine kurze Zeit ohne Genehmigung möglich sei. „Die Vertretungs-PTA sollte bei der Kammer gemeldet sein und man sollte nicht jedes Mal eine Erlaubnis einholen müssen.“ Sonst werde der Einsatz zu bürokratisch.
Auch bei pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) sieht sie noch mehr Potenzial für PTA. Die Fachkräfte dürfen bereits zusätzlich zu Apothekerinnen und Apothekern einzelnen Beratungen durchführen. „Das könnte noch lockerer werden.“ Sie selbst etwa habe Erfahrungen im Bereich der Inhalativa-Beratung. Wichtig sei auch, die Menschen stärker zu sensibilisieren, dass die stationäre Apotheke der Ort sei, um sich in Sachen Arzneimittel beraten zu lassen. „Viele trauen sich nicht, in der Apotheke nachzufragen.“