Bauchschmerz-Beratung: Spasmolytika statt Analgetika

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Berlin -

Sie sind unangenehm, schmerzhaft und kommen oft plötzlich und krampfartig: Bauchschmerzen hat vermutlich jeder schon gehabt. Die Ursachen können vielfältig sein. In erster Linie wollen Betroffene, dass die akuten Beschwerden schnellstmöglich gelindert werden. Doch was kann in der Apotheke empfohlen werden?

Oft gelten Bauchschmerzen als harmlose Bagatell-Erkrankung. Dabei gehören sie zu den häufigsten Schmerzsymptomen im Erwachsenenalter. Außerdem können sie mit starken Einschränkungen einhergehen und es können verschiedene – auch ernsthafte – Erkrankungen zugrunde liegen: Sowohl ein Magen-Darm-Infekt wie auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, das Reizdarm-Syndrom oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Stress können ein Auslöser sein.

Die Apotheke stellt bei neuauftretenden Beschwerden oft die erste Anlaufstelle dar – die wenigsten suchen aufgrund von Bauchschmerzen direkt den Arzt auf. Im Rahmen der Selbstmedikation kommen verschiedene Wirkstoffgruppen in Frage – aber welche ist die Richtige?

Spasmolytika für eine gezielte Wirkung

Kommt es zu krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Trakt werden diese durch eine Kontraktion der glatten Muskulatur der Bauchorgane verursacht. „Bauchschmerzen sind daher ein Sonderfall, denn sie erregen durch die Verkrampfung der Magen-Darm-Muskulatur Elemente in der Wand des Verdauungstraktes, die auf mechanische Reize Schmerzen übermitteln“, erklärt Professor Dr. Thomas Frieling vom Helios Klinikum Krefeld im Rahmen eines Expertengesprächs. Dabei komme auch der Darmdehnung, zum Beispiel durch vermehrte Flüssigkeitsansammlung, eine besondere Bedeutung zu. „Herkömmliche Schmerzmittel beseitigen diese Ursache nicht, sondern unterdrücken lediglich die Symptome“, macht der Mediziner deutlich.

Viele greifen zu „normalen“ Schmerzmitteln

Viele Patient:innen greifen jedoch zu herkömmlichen Schmerzmitteln. Im Rahmen einer Patient:innen-Umfrage gaben 47 Prozent an, nicht-verschreibungspflichtige Analgetika zur Symptomlinderung zu nutzen. Die zugrundeliegenden Pathomechanismen sind oft schlichtweg nicht bekannt. Zur Linderung der Bauchkrämpfe sind jedoch Spasmolytika Mittel der Wahl: Sie wirken lokal am Ort des Geschehens und sind in der Regel auch besser verträglich als die meisten Analgetika. „Hier sind die fachliche Kompetenz und die Empathie der Apotheker:innen und PTA im Kundengespräch gefragt“, betont Kirsten Hien, Apothekerin aus Hanau.

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