Substitutionsausschluss

Stamm-Fibich: Aut-idem-Kreuz vor Aut-idem-Liste

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Berlin -

Die Aut-idem-Liste sorgt in den Apotheken für mehr Arbeit als erwartet. Deshalb hat die ABDA ihre Haltung überdacht und will die Liste möglichst klein halten. Ähnlich sieht es die SPD-Gesundheitsexpertin Martina Stamm-Fibich. Sie will die Substitutionsausschlussliste „klein, aber fein“ halten. Um die Arzneimittelsicherheit zu verbessern setzt sie auf das Aut-idem-Kreuz sowie den elektronischen Medikationsplan und das E-Rezept.

Prinzipiell findet Stamm-Fibich die Substitutionsausschlussliste gut – und auch, dass der Gesetzgeber bei ihrer Einführung Druck gemacht. „Dass Minister Gröhe als quasi erste Amtshandlung damals im Gesetz geregelt hat, dass die Erarbeitung der Liste an den Gemeinsamen Bundesausschuss übertragen wird, fand ich sehr mutig.“ Nachdem sich Apotheker und GKV-Spitzenverband nicht auf eine Liste einigen konnten, beschlossen Union und SPD im Koalitionsvertrag, den G-BA mit der Aufgabe zu betreuen.

Besonders die Schmerzpatienten lagen Stamm-Fibich am Herzen: „Am Ende des Lebens sollten keine Experimente mehr gemacht werden. Dass man dann nicht noch auf Gedeih und Verderb Arzneimittel austauscht, halte ich schon ethisch für gerechtfertigt.“ Gerade bei Sterbenden sollten ihrer Meinung nach keine Kompromisse bei der Therapie mehr gemacht werden.

Die Petition der Deutschen Schmerzliga war ein Grund, warum Stamm-Fibich die Erarbeitung der Liste intensiv verfolgte. Im Februar 2011 hatte die Präsidentin der Deutschen Schmerzliga, Marianne Koch, eine Petition eingereicht, dass die dem Betäubungsmittelgesetz unterstellten Schmerzmittel von der Substitutionspflicht ausgenommen werden sollen. „Deshalb war ich sehr enttäuscht, dass die Opioide erst in der zweiten Runde auf die Liste aufgenommen werden sollen“, so Stamm-Fibich.

Auch wenn die Gesundheitspolitikerin die Aufnahme der Opioide unterstützt – insgesamt sollen nur wenig Wirkstoffe gelistet werden. „Ich denke, die Liste muss etwas besonderes sein“, so Stamm-Fibich. „Es sollten wirklich nur Wirkstoffe darauf stehen, bei denen es sinnvoll ist.“

Skeptisch steht sie daher auch dem Wunsch der Deutschen Parkinson-Vereinigung gegenüber, die mit einer Petition gefordert hatte, die gesamte Indikation auf die Liste zu setzen. Doch aus Sicht von Stamm-Fibich rechtfertigten nur bestimmte Sachverhalte die Aufnahme eines Wirkstoffs auf die Aut-idem-Liste, etwa wenn es gravierende Wechselwirkungen gibt und Patienten viele unterschiedliche Arzneimittel einnehmen.

Zwar hat auch Stamm-Fibich schon von Klagen gehört, dass die Arzneimittel in den Apotheken nicht verfügbar seien. Für ein großes Problem hält sie das aber nicht: „Ich finde die Regelung gut, dass der Apotheker in diese Fall Rücksprache mit dem Arzt nimmt – Rücksprachen würde ich mir generell häufiger wünschen im Gesundheitssystem, etwa auch zwischen Ärzten und Krankenkassen im Bereich der Hilfsmittelversorgung.“

Für wichtiger hält Stamm-Fibich vor diesem Hintergrund die konsequente Anwendung des Aut-idem-Kreuzes. Auch daher sollte es ihrer Meinung nach „keine unendlich lange Liste“ geben: „Wenn wir die Liste zu weit machen, führt das das Aut-idem-Kreuz ad absurdum“, warnt Stamm-Fibich.

Sie findet, dass Apotheker und Ärzte die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel besser einsetzen müssten. „Apotheker können gut beraten und tragen eine gewisse Verantwortung“, so Stamm-Fibich. Und im Zweifel müssten sie sich mit dem Arzt beraten. Beide Berufe sollten mutiger sein: „Inzwischen sind Retaxationen und Regresse so abgemildert, dass sich Ärzte und Apotheker wieder auf das Aut-idem-Kreuz besinnen können.“

Darüber hinaus setzt sie auf eine bessere Vernetzung: „Ich halte das elektronische Rezept und den elektronischen Medikationsplan für eine Alternative“, so Stamm-Fibich. Wenn Ärzte und Apotheker sehen könnten, was der Patient noch einnehme, könnten sie viel besser über die Substitution entscheiden. „Dann müssten wir uns über die Liste gar nicht mehr unterhalten. Das wäre der Weg, den man gehen müsste.“

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